Podcast Marburg, Hessisches Landestheater: Es ist doch eine schöne Sache...

Stadttheater Marburg Blutwurst

Körpertauschkomödien kennt man eigentlich eher aus Hollywood. Nun haben am Stadttheater Marburg die Regisseurinnen Susanne Zaun und Marion Schneider-Bast aber eine auf die Bühne gebracht: In ihrem Stück mit dem Titel "Es ist doch eine schöne Sache, über Kanzlerkandidaten zu reden und dabei Blutwurst zu essen" gerät ein Chor in den Körper von Helmut Kohl.

Warum schlüpft der Chor überhaupt in den Körper des "ewigen Kanzlers"?

Der Chor schlüpft in den Körper Helmut Kohls, um herauszufinden, wie ein demokratisch legitimierter Herrscher Macht ausübt – und welche Rolle dabei der Körper spielt. Da erscheint Helmut Kohl natürlich sehr passend, dem Macht und Durchsetzungsvermögen gerade auch aufgrund von seiner imposanten Körperlichkeit zugesprochen wurden.

Wie sieht es denn konkret aus, wenn fünf Frauen Helmut Kohl verkörpern?

Der Frauenchor spricht Originalzitate von Helmut Kohl, in denen es beispielsweise um die dramatischen Ereignisse rund um den Bundesparteitag 1989 geht, bei dem Heiner Geißler ihn als Parteichef stürzen wollte. Der Chor wiederholt und variiert diese Zitate immer wieder, um Kohls Machtwillen und seine Selbstinszenierung zu sezieren. Dabei probieren sie seine Sprache und seinen Gestus an - und die fünf Performerinnen steigen schließlich in einen übergroßen Herrenanzug - und führen quasi die Aussichtslosigkeit des Unterfangens vor. Drei der Performerinnen füllen das Sakko, zwei jeweils ein Hosenbein. Und dabei streiten sie sich darüber, ob Kohl selbst damals wirklich so lässig dastand.

Immer wieder Chor! Warum?

Die Regisseurinnen Susanne Zaun und Marion Schneider-Bast machen bereits seit 2005 zusammen Theater und arbeiteten in all ihren bisherigen Stücken mit einem Chor. Dadurch, dass in Marburg Kohls Zitate von fünf Personen gesprochen werden, stellt sich sofort auch die Frage nach der Teilbarkeit von Macht und Verantwortung, denn zur Zeit kreisen ja zahlreiche Diskussionen um westliche, männliche Normative und die mit ihnen verbundenen Machtstrukturen. Da eröffnet Inszenierung zahlreiche Anknüpfungspunkte und bietet sich sozusagen als Selbstermächtigung an, um auszuprobieren: Was passiert, wenn fünf Frauen versuchen, Helmut Kohl zu verkörpern? Wie gehen sie selbst, aber auch: wie gehen wir als Zuschauerinnen und Zuschauer mit den Widersprüchen um, die sich sofort eröffnen? Hier liegt natürlich der Witz, aber auch die Fallhöhe der Inszenierung.

Es ist doch eine schöne Sache, über Kanzlerkandidaten zu reden und dabei Blutwurst zu essen
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