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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Barrie Kosky wagt hier eine Art Familienaufstellung"

Ambur Braid (Salome) und die fünf Juden

Die Salome von Richard Strauss nach Oscar Wilde spielt mit dem Klischee von der bösen Frau, mit Rache und Liebe. Regisseur Barrie Kosky macht daraus etwas völlig anderes: Er nimmt die Frau ernst. Eine überzeugende Arbeit mit überragenden Sängerinnen und Sängern.

Was hat Opern-"Umkrempler" Barrie Kosky aus dem Stoff gemacht?

Barrie Kosky

Er erzählt eine ganz eigene Geschichte! Normalerweise ist diese Oper mit Klischees behaftet: Die männerfressende Femme fatale tanzt den erotischen Schleiertanz, stiftet zu einem grausamer Mord an, verliebt sich in den abgeschlagenen Kopf. So. Jetzt kommt Barrie Kosky. Und was macht er? Nichts. Er reduziert dieses oplulente Geschehen auf vier Darsteller, stellt diese in eine komplett leere schwarze Bühnenkiste - und lässt den Mond immer dann auf die Person scheinen, die gerade agiert, mehr oder weniger fahl.

Schwarzer Kasten - was passiert darin?

Ambur Braid (Salome) und Christopher Maltman (Jochanaan)

Kosky macht einen zeitlosen Raum aus diesem Kasten, wagt eine Art Familienaufstellung. Er erzählt eine Liebesgeschichte aus der Sicht von Salome. Und er nimmt sie ernst. Sie liebt Jochanaan, sie ist eine kluge, widersprüchliche Frau. Aber sie ist nicht sadistisch, sondern verliebt, diesem Wahn verfallen.

Und der Schleiertanz, die Kern-Szene ...?

Barrie Kosky bremst sie aus, er macht daraus eine psychoanalytische Situation: Sie sitzt im schwarzen Rock da, zieht aus ihrem Schoß blonde lange Haaare zu einem Haar-Berg, der größer ist als sie selbst. Erotik und Ekel liegen hier ganz nach beieinander. Die Haare als Symbol der Jugend, die sie verschenkt und mit denen sich der Stiefvater am Ende bekränzt - ein Wahnsinns-Symbol! Bilder, die sich aus dem Schwarz heraus einprägen.

Funktioniert das?

Ja und vor allem deshalb, weil die Sänger unfassbar gut sind: Man nimmt Ambur Braid diese Salome komplett ab, man glaubt ihr jeden Ton. Man hat keine falsche Empathie, man sieht ihr zu, wie sich sich in diese falsche Liebe verrennt. Sie spielt das nicht, sie ist mit ihrem ganzen Körper präsent!

Oper Frankfurt: Ambur Braid (Salome)

Jochanaan (Christopher Maltman) ist ein Wrack von Mensch, der für einen kurzen Moment zweifelt, aber in seiner Stimme so viel Selbstgewissheit hat, dass er standhaft bleibt. Und die armen Eltern! Claudia Mahnke singt die Herodias phantastisch und auch AJ Glueckert ist als Herodes sensationell. Alle vier im schwarzen Kasten - mit einem Clou am Ende, der Salomes ganzes krankes und perverses Verhalten deutlich macht. Das ist toll!

Fazit

Das Orchester unter Joana Mallwitz, diese Sänger, Barrie Kosky - ein phantastischer Abend!

Weitere Informationen

Salome

Drama in einem Aufzug
von Richard Strauss nach dem Drama Salome (1891) von Oscar Wilde
Oper Frankfurt
Weitere Aufführungen am 8., 13., 20., 26., 29.3; 4., 10., 13.4.2020

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Die Fragen stellte Anna Engel
Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 2.3.2020, 7:30 Uhr

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