Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gespräch mit dem Satiriker Paul Bokowski

Paul Bokowski

Der Poetry-Slammer und Ex-Mitglied der Berliner Lesebühne Brauseboys erzählt von den vielen kleinen Katastrophen, die das Leben so zu bieten hat. Drei Fragen an den Satiriker.

Den Kern Ihrer Geschichten entnehmen Sie Ihrem Alltag. Gibt es Erlebnisse, bei denen Sie gar nichts erfinden müssen?

Paul Bokowski: Ich werde sehr oft nach Lesungen gefragt, wieviel Wahrheitsgehalt in meinen Geschichten steckt. Die Leute sind immer überrascht, wenn ich sage, dass der Wahrheitsgehalt bei 80 bis 90 Prozent liegt. Ganz oft sind es Dialoge und Dialog-Schnipsel, die ich verarbeite. Die sind einfach eine reine Niederschrift dessen, was ich so erlebt habe im Alltag. Es gibt in allen drei Büchern Dialoge mit den Eltern. Das sind teilweise reine Wiedergaben dessen, was gesagt wurde.

Ich habe im aktuellen Buch einen Dialog, bei dem ich den Versuch unternehme, bei Ebay-Kleinanzeigen einen Schreibtisch zu verkaufen. Und die Dialog-Schnipsel, die dort aufgelistet sind, die entstammen alle nicht meiner Fantasie, sondern der traurigen Wirklichkeit.

Ihre Eltern sind in den Achtzigern von Polen nach Deutschland eingewandert. Sie haben erzählt, dass Ihre Eltern überangepasst waren, sie also ihre polnische Identität in den Hintergrund gerückt haben. Wenn Sie sagen, dass Sie sich entwurzelt fühlen – hilft das nicht vielleicht auch dabei, von außen auf die Gesellschaft zu schauen?

Bokowski: Tatsächlich ist man ein bisschen freier und unabhängiger. Man wächst mit der Fähigkeit zu Beobachten auf. Die ist ein bisschen stärker ausgeprägt als bei Leuten, die sehr stark verwurzelt sind. Weil man sich einfach immer ein bisschen randständig und fremd fühlt und erst einmal in so eine Beobachter-Position geht. Und ich glaube, das hat für das Literarische extrem gut geholfen.

Jetzt kommen Sie selbst aus der Lesebühnen- und Poetryslam-Szene. Neben der englischsprachigen soll die deutsche Szene die größte überhaupt sein. Wie erklären Sie sich das? Hören die Deutschen besonders gerne Vorgelesenes?

Bokowski: Ich glaube, die Lesebühnen-Szene, die in den späten 1980er Jahren in Berlin entstanden ist, hat sich von Beginn an mit absurden Alltagsbeobachtungen auseinandergesetzt. Während die Slamszene doch sehr lyrisch angehaucht war. Mittlerweile vermischt sich das beides. Es gibt beim Slam sogenannte Story-Teller. Also Leute wie ich, die eine humoristische Geschichte erzählen.

Die sich aber trotzdem diesem Wettbewerb stellen müssen und ganz oft mit Leuten verglichen werden, die sehr gute, sehr tiefgründige, ernste Poesie machen. Das stört mich am Slam auch immer noch ein bisschen. Darum fühle ich mich auf der Lesebühne mehr zu Hause, weil es dort keinen Wettbewerb gibt.

Weitere Informationen

Paul Bokowski: Bitte nehmen Sie meine Hand da weg
20. November 2019 Mittwoch um 19:30 Uhr
Eintritt 9 | 6 Euro

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 20.11.2019, 17:10 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit