Günter Alt, Ronny Miersch, Nicole Sydom bei den Bad Hersfelder Festspielen

In Deutschland gibt es rund 16.000 Schauspieler und Schauspielerinnen. Zwei Drittel von ihnen hangelt sich von Engagement zu Engagement und muss sich zwischendurch immer wieder arbeitslos melden. Viele haben Existenzangst, denn sozial abgesichert sind sie kaum.

Schauspieler müssen Arbeitslosenversicherung zahlen, bekommen aber fast nie finanzielle Unterstützung, wenn es nötig wäre. Heinrich Schafmeister – derzeit in Bad Hersfeld in dem Musical "Funny Girl" auf der Bühne – erklärt, dass Schauspieler oft keine Selbstständigen, sondern Angestellte sind – aber immer befristet. Und wer immer befristet arbeite, könne nicht, wie normal Beschäftigte, in der sogenannten Rahmfrist 360 Tage zusammenkriegen.

Jobcenter nach den Festspielen

"Wenn ich Spielzeit-verpflichtet bin, dann schafft man das. Aber wir sind jetzt hier in Bad Hersfeld – das gehört zu den langen Beschäftigungen", sagt er. Wenn er drehe, dann sei das noch kürzer. Da arbeite man zwei Drehtage und sei dann für eine Woche versichert.

Auch Günter Alt – der für seine Rollen in Kafkas "Prozess" den Hersfeld-Preis bekam, muss nach den Festspielen wieder zum Jobcenter. Dort fühlt er sich meist unverstanden. "Ich habe nie das Gefühl, einen Ansprechpartner zu haben, der mir weiterhelfen kann. Der mal über seine Statuten hinaus blickt", sagt er. Schauspieler hätten ganz andere Arbeitszeiten, ganz andere Bedingungen und hätten einen ganz anderen Aufwand. Das lasse sich mit Bürokratie ganz schwer regeln, sagt Alt. "Und wenn du mal mit einem Vorgesetzten reden willst, an die kommst du gar nicht ran", so Alt.

Immer jemand, der es günstiger macht

Zwischen den Schauspiel-Engagements hält er sich mit schlecht bezahlten Nebenjobs über Wasser. Gibt in der Weihnachtszeit Lesungen oder singt Lieder. "Die Leute denken, das ist keine Arbeit. Die wollen alle, dass du schöne Geschichten erzählst. Es werden dir Engagements angeboten, die so schlecht bezahlt sind, dass du sagen musst: Ich kann das gar nicht machen, ich muss ja auch irgendwie leben", erzählt Alt. Und es gebe leider immer auch jemanden, der es noch günstiger mache.

Trotz der finanziellen Probleme der Schauspieler spricht Heinrich Schafmeister den meisten sicher aus dem Herzen, wenn er sagt: "Der Schauspielberuf ist der schönste Beruf der Welt, den man halt nicht empfehlen kann."

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 26.07.2019, 8:45 Uhr

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