Elissa Huber in der Rolle als "Anna Nicole" am Staatstheater Wiesbaden

Anna Nicole Smith war Playmate und Sexsymbol, eine Frau, die Männerphantasien beflügelte. Eine kurze Ehe der damals 26-jährigen mit einem Milliardär machte sie zu einer reichen Witwe. Mit 40 starb sie krank und tablettensüchtig - Stoff für eine Oper am Staatstheater Wiesbaden.

Aus diesem Stoff haben Mark-Anthony Turnage und der Librettist Richard Thomas eine Oper gemacht. Sie wurde 2011 in London uraufgeführt. Nun hatte "Anna Nicole" in Wiesbaden am Staatstheater Premiere. Susanne Pütz war dort.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Seifenoper keineswegs seicht: "Anna Nicole" in Wiesbaden

Elissa Huber in der Rolle als "Anna Nicole" am Staatstheater Wiesbaden
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Es war unterhaltsam, aber keineswegs seicht, was man ja vielleicht erwarten könnte, wenn so eine große Seifenoper auf die Bühne kommt. Rein optisch entsprach die Bühne dem Boulevardcharakter, den Anna Nicole ja auch gepflegt hat. Ein Welt mit viel Glitzer, Glamour, in pink, Spot on, Lächeln egal um welchen Preis. Und um diesen Preis, den Anna Nicole gezahlt hat in ihrem Leben, darum ging es.

Der Vorhang geht auf und man ist mitten in einer großen Fernsehshow. Das Publikum besteht aus Chor und Statisten. Die sitzen auf einer großen Tribüne. Da glitzert alles pink, hellblau und weiß. Im Publikum finden sich in bunten Kostümen alle Klischees der amerikanischen Gesellschaft: ein Hippie, ein Rabbi, ein muskelbepackter Baseballstar ist ebenso dabei wie ein Ranger, spießige Normalbürger wie auch eine Schönheitskönigin. Sie kommentieren den ganzen Abend lang, was da passiert. Sie sind also Bühnenbild und Mitspieler zugleich. Dazu gibt es Tanzeinlagen von einem Showballett. Alles überzogen, Persiflage und Satire. Das Lachen bleibt einem aber bei der Tragik dieser Geschichte im Halse stecken.

Anna Nicole sah immer ein bisschen aus wie ein Abklatsch von Marilyn Monroe. Wie ist sie in diesem Stück gezeichnet?

Anna Nicole Smith

Man erfährt, wie sie zu diesem "It-Girl" geworden ist, die Frau, die später die Boulevardzeitungen viel beschäftigt hat. Sie kommt aus der amerikanischen Pampa, wo es außer Fastfood-Ketten nichts gibt. Anna Nicole kann nichts und hat nichts außer einer armen, bildungsfernen Familie, scheinbar keine Chance nach oben zu kommen. Wenn sie da raus will, dann geht es nur mit einer Sache - das lernt sie sehr früh: mit der richtigen Oberweite.

Also geht es für sie ab zum Schönheits-Chirurgen, der dann auf einem glamourösen, glitzernden Riesenthron hereingefahren kommt. Der richtet dann alles. Dann kommt man auch nach oben, vermittelt er, und bei Anna Nicole scheint es genau so zu funktionieren. Sie angelt sich ob ihrer unübersehbaren Reize diesen schwerreichen Mann. Allerdings werden ihr dann Alkohol und Tabletten zum Verhängnis; die Presse treibt sie vor sich her. Und als ihr Sohn - ihr ein und alles - stirbt, ist auch ihr Leben zu Ende.

Das ganze ist ja eine Oper, kein Musical. Wie muss man sich dieses Stück klanglich vorstellen?

Es ist eine moderne Oper, aber nicht Avantgarde, wie man denken könnte. Zur Musik von Turnage findet man schnell einen Zugang. Sie kommentiert das, was auf der Bühne stattfindet, satirisch mit sehr viel Rhythmus, groß besetztem Orchester. Tolle Arien. Da hat jeder einzelne Part etwas zu bieten, nicht nur Anna Nicole, auch ihre Mutter, der Schönheitsdoktor, die verschiedenen Chorpartien, aber natürlich auch der tatterige, greise Milliardärsgatte im Rollstuhl. Sie alle haben wirklich tolle Einlagen.

Mit der Hauptdarstellerin steht und fällt das Meiste. Wie hat sie Sie überzeugt?

Weitere Informationen

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

"Anna Nicole"
noch sechs Termine bis zum 19. März

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Elissa Huber hat mich sehr überzeugt, denn sie war wirklich der Star des Abends. Eine junge Sopranistin mit einer Stimme, die sehr wandelbar ist, verspielt, dann dramatisch. Sie hat diesen Saal unglaublich gefüllt mit ihrem Gesang. Ein echtes Hörerlebnis war das für mich. Aber für diese Rolle reicht nicht nur eine tolle Stimme. Denn so eine hin- und hergerissene Person, die muss auch gespielt werden. Und mit ihr hat man eine 1A-Besetzung gefunden. Das ganze endet dann bekanntlich tragisch. Auf der Bühne sieht man sie dann zum Schluss in einem rosa Plüschanzug wie ein abgehalfteter Clown, die Maske verwischt. Die Show ist zu Ende und damit auch der Opernabend, der einen Stoff unserer Zeit - sehr passend, wie ich finde - auf die Bühne bringt. Und dafür gab es am Ende jede Menge Applaus.

Sendung: hr2-kultur, "Kulturfrühstück", Frühkritik, 17.02.2020, 07:30 Uhr

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