Wer Paul Celans Vortrag der "Todesfuge" einmal gehört hat, bekommt die Stimme nicht mehr aus dem Ohr. Zum 100. Geburtstag von Paul Celan kommt der Dichter selbst zu Wort: mit einem Gespräch aus dem Jahr 1954, mit seiner Rezitation des berühmten Gedichts "Todesfuge" und weiteren Gedichten sowie mit seiner Dankrede bei der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 1960.

Paul Celan

Paul Celan wurde am 23. November 1920 als Paul Antschel geboren. Er war der einzige Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz. Von 1942 bis 1944 musste Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten, seine Eltern wurden deportiert, der Vater starb in einem Lager an Typhus, die Mutter wurde erschossen. Nach dem Krieg wurde Celan Lektor und Übersetzer in Bukarest, er veröffentlichte erste Gedichte. 1947 floh er aus dem kommunistisch gewordenen Land über Ungarn nach Wien und siedelte sich 1948 in Paris an, wo er bis zu seinem Freitod im Jahr 1970 lebte.

Paul Celan gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter des 20. Jahrhunderts. Sein Werk spiegelt vor allem die Erfahrung des Holocaust. Dabei hatte es Celan als deutschsprachiger jüdischer Autor in der jungen Bundesrepublik anfangs schwer. Im Literaturbetrieb nahm er eine Sonderstellung ein. Auf Vermittlung seiner Freundin und zeitweise Geliebten Ingeborg Bachmann las er 1952 bei der Tagung der Gruppe 47 im Ostseebad Niendorf. Der pathetische, "hohe" Ton seiner Rezitationen irritierte die anwesenden Literaten. "Der liest ja wie Goebbels!", soll Hans Werner Richter damals gesagt haben – ohne zu bemerken, wie unpassend seine Bemerkung gegenüber einem Opfer des Nationalsozialismus war. Dennoch hatte Celan mit seiner Lesung Erfolg: Noch während der Tagung erhielt er das Angebot eines Verlags für einen ersten Gedichtband in Deutschland. Und unmittelbar danach lud man ihn zu den ersten Rundfunkaufnahmen ein, in diesen Jahren für einen Schriftsteller die wichtigste finanzielle Förderung.

Im Lauf der fünfziger Jahre wurde Paul Celan zum berühmtesten und geheimnisvollsten deutschsprachigen Dichter. In rascher Folge bekam er wichtige Literaturpreise, 1960 schließlich den bedeutendsten deutschen Literaturpreis, den Georg-Büchner-Preis. Wir senden ein Gespräch aus dem Archiv des SWR: Paul Celan gibt 1954 im Gespräch mit Karl Schwedhelm Auskunft über sein Schaffen und liest Gedichte. Außerdem ist Paul Celan mit seinem berühmten Vortrag der "Todesfuge" zu hören, der für eine Sprechplattenedition entstand, und mit einer Aufnahme aus dem Archiv des Hessischen Rundfunks: seiner Dankrede für den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Sendung: hr2-kultur, "Archivschätze", 21.11.2020, 14:04 Uhr.

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