Im Jahr 1848 komponierte Berlioz sein Te Deum, ein Schwesterwerk zum Requiem, das 11 Jahre zuvor das Pariser Publikum erschüttert hatte.

Keith Lewis, Tenor
Matthias Eisenberg, Orgel
Vokalensemble Frankfurt
Bachchor Mainz
Currende der Christuskirche Mainz
Kinderchor des Hessischen Rundfunks
Jugendchor des Hessischen Rundfunks
Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt
Leitung: Eliahu Inbal

Berlioz: Te Deum op. 22

(Aufnahmen vom 25. und 26. Februar 1988 aus dem Großen Saal der Alten Oper Frankfurt)

Obwohl es in Frankreich Tradition war, ein Te Deum als öffentliches Dankgebet für militärische Erfolge aufzuführen, also eigentlich für ein neues Te Deum immer ein konkreter Anlass vorliegen musste, scheint es den so für Berlioz’ Te Deum nicht gegeben zu haben. Er widmete es zwar Napoléon Bonaparte, aber nicht zu einem bestimmten Anlass, sondern er vertraute wohl darauf, dass sich schon ein Grund für eine weitere monumentale Musik von ihm finden würde.

Bis 1855 aber dauerte es dann, bis es in Paris zu Uraufführung des Te Deums kam – die erste Pariser Weltausstellung bot den entsprechenden Rahmen für Berlioz’ Musik. Und wenn die sich an einigen Stellen recht martialisch gibt, so konnte das doch leicht umgemünzt werden in einen Lobgesang auf den technischen Fortschritt, der einen ganzen Sommer lang in einer Ausstellung, wie die Welt noch keine gesehen hatte, verherrlicht und angebetet wurde.
Man war im Weltausstellungstaumel, angeheizt auch durch die Musik von Hector Berlioz. Man muss sich das vor Augen führen: mehr als 950 Mitwirkende waren in der Kirche St. Eustache am Vorabend der Eröffnung der Weltausstellung aufmarschiert. Außerdem wurde auch noch mit dem Te Deum eine neue Orgel, die größte, die bis dahin gebaut worden war, eingeweiht: ein Spektakel, ganz im Sinne der neuen Zeit, die auf Repräsentation, auf Größe und Technikglauben ausgerichtet war.

Sendung: hr2-kultur, "Archivschätze", 02.10.2021, 14:04 Uhr.