Die deutschsprachige Literatur und das Verlagswesen sind geprägt von jüdischen Autoren und Verlegern. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten aber waren jüdische Autoren und Herausgeber unerwünscht – sie wurden oft "arischen" Verfassern zugeschrieben. Die jüdischen Urheber wurden verfolgt.

Alice Urbach: So kocht man in Wien!

Alice Urbach etwa war berühmt für ihr Kochbuch in Wien, nach 1938 ersetzte der Verlag ihren Namen durch den eines strammen Nazis, Alice Urbach verlor ihr geistiges Eigentum und floh nach Amerika. Erst ihre Enkelin, die Historikerin Karina Urbach, hat erreicht, dass das Kochbuch wieder unter Alices Namen erschien und der Verlag seinen Fehler eingestand.

Standardwerk der Rechtswissenschaft umbenannt

Der Gesetzeskommentar "Palandt" liegt noch heute auf dem Schreibtisch fast aller deutschen Jurist*innen – bis dieses Jahr unter dem Namen eines Richters, der bereits 1933 der NSDAP beigetreten war. Der juristische Kommentar wird im C. H. Beck-Verlag herausgegeben, der dem jüdischen Verleger Otto Liebmann die Rechte an allen juristischen Werken abgekauft hatte. Nur auf jahrelangen Druck einer Initiative von Nachwuchsjurist*innen wurde der Name Palandt gestrichen. Das "Knaurs Gesundheitslexikon" schließlich erschien bis 1940 unter dem Namen seines jüdischen Herausgebers Josef Löbel, der Arzt und Autor verlor nach dem Einmarsch der Nazis in Österreich sowohl seine Wohnung als auch sein Werk. Als Herausgeber wurde Peter Hiron eingesetzt – das Pseudonym eines NSDAP-Mitglieds. Löbel beging Selbstmord.

Noch wenig im Bewusstsein

Noch heute profitieren Verlage von jüdischen Autoren und Verlegern. Aber: Auch wenn das Thema langsam ins Bewusstsein kommt, rund 80 Jahre nach Kriegsende wird diesem Kapitel deutscher Geschichte wenig Bedeutung beigemessen.  

Ein Beitrag von Silke Fries.

Die Sendung "Camino" finden Sie hier auch als Podcast.

Sendung: hr2-kultur, "Camino", 07.11.2021, 11:30 Uhr.