Die Geschichte der Juden auf Mallorca ist fast 2000 Jahre alt. Aber auch die Geschichte der Verfolgung von Juden auf den Balearen dauert fast ebenso lange an. Den tragischen Höhepunkt fand sie im Mittelalter – Juden wurden gezwungen, zum Christentum zu konvertieren. Wer das nicht tun wollte, musste fliehen oder mit dem Leben bezahlen.

Aber auch, wer unter Zwang zum Christentum konvertiert war, konnte nicht sicher sein. Die "Chuetas", wie die Neu-Christen von den anderen Mallorquinern genannt wurden, wurden bespitzelt und argwöhnisch beobachtet: viele, so der Vorwurf, würden heimlich ihr Judentum pflegen. Genau 330 Jahre ist es her, dass einer Gruppe von Chuetas durch die Inquisition der Prozess gemacht wurde. Wer nicht öffentlich dem Judentum abschwor, der starb auf dem Scheiterhaufen. Die Konsequenz: Menschen mit dem Namen von Chueta-Familien waren auch in den Jahrhunderten danach ausgegrenzt. Sie konnten nicht jeden Beruf wählen, nicht jede Laufbahn einschlagen, selbst Ehen von Chuetas mit Alt-Christen waren verpönt. Seit dem Ende der Franco-Ära hat sich das geändert, nicht zuletzt durch den Massentourismus und die Öffnung Mallorcas. Heute leben noch immer rund 20.000 Nachfahren ehemaliger Juden auf Mallorca, ganz wenige von ihnen sind zurückgekehrt zum Judentum.

Ein Beitrag von Silke Fries.

Die Sendung "Camino" finden Sie hier auch als Podcast.

Sendung: hr2-kultur, "Camino", 27.06.2021, 11:30 Uhr.