Die Neue Musik tut sich immer noch schwer auf unseren Opernbühnen. Da kann man Aribert Reimanns "Lear" von 1978 schon als echten Klassiker bezeichnen. Und der letztlich durch eigenes Verschulden so grausam behandelte König fand in München mit dem grandiosen Sänger-Darsteller Christian Gerhaher eine geradezu ideale Besetzung.

Lear - Christian Gerhaher
Goneril - Angela Denoke
Regan - Aušrinė Stundytė
Cordelia - Hanna-Elisabeth Müller
König von Frankreich - Christian Rieger
Herzog von Albany - Ivan Ludlow
Herzog von Cornwall - Jamez McCorkle
Graf von Kent - Brenden Gunnell
Graf von Gloster - Georg Nigl
Edgar - Andrew Watts
Edmund - Matthias Klink
Diener - Dean Power
Narr - Graham F. Valentine
Ritter - Marc Bodnar

Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper
Leitung: Jukka-Pekka Saraste

(Aufnahme vom 30. Mai 2021 aus dem Nationaltheater)

Der Münchner "Lear" war im Mai nach der langen Corona-Auszeit die lang erwartete und ersehnte erste Vorstellung vor Publikum im Nationaltheater - wenn auch mit noch reduzierter Zuschauerzahl und mit aus Hygiene-Gründen zu großen Teilen ausgelagerten Gruppen des gewaltig besetzten Orchesters. Während die Inszenierung von Christoph Marthaler weitgehend distanziert aufgenommen wurde, bejubelten die Kritik und das Publikum zurecht die ohne Abstriche hervorragende Besetzung des Sänger-Ensembles und Jukka-Pekka Sarastes souveränes Dirigat der unter diesen Bedingungen nochmals schwieriger zu meisternden hochkomplexen Partitur.

Aribert Reimann

Und der Applaus war gewaltig, trotz des fast schon beispiellos düsteren Ausgangs der Oper, wo die wenigen Überlebenden schließlich hilflos den Dahingeschiedenen und Ermordeten gegenüberstehen - von Hoffnung keine Spur. "Uns bleiben Trauer... Klagen..." heißt es am Ende, und uns bleibt mit Reimanns "Lear" ein Werk, das auch nach über 40 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat - wovon man sich am Ort der Uraufführung ein weiteres Mal überzeugen konnte.

Anschließend:
Clara Schumann: Drei Präludien und Fugen op. 16 (Susanne Grützmann, Klavier)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 11.12.2021, 20:04 Uhr.