Eine echte Opernrarität - zumindest außerhalb des russischsprachigen Raumes - war im Januar vergangenen Jahres in Bordeaux zu erleben. Dabei kann man Anton Rubinsteins "Dämon" von 1875 getrost an die Seite der großen Opern von Mussorgskij und Tschaikowsky stellen, und das Stück sollte auch bei uns viel öfter zu hören sein.

Der Dämon - Nicolas Cavallier
Tamara - Evgenia Muraveva
Der Engel - Ray Chenez
Fürst Gudal - Alexandros Stavrakakis
Fürst von Sinodal - Alexey Dolgov
Tamaras Amme - Svetlana Lifar
Ein alter Diener - Luc Bertin-Hugault
Ein Bote - Paul Gaugler

Opernchöre aus Limoges und Bordeaux
Orchester der Nationaloper Bordeaux Aquitaine
Leitung: Paul Daniel

Rubinstein: Der Dämon

(Aufnahme vom 29. Januar 2020 aus dem Grand Théâtre de Bordeaux)

Anton Rubinstein kennt man vor allem als europaweit erfolgreichen Klaviervirtuosen und Mitbegründer und ersten Direktor des St. Petersburger Konservatoriums. Er hat aber auch ausgiebig komponiert, unter anderem 17 Opern. "Der Dämon" nach der gleichnamigen Erzählung von Michail Lermontow erzählt die Geschichte eines gefallenen Engels mit durchaus faustischen Zügen, der der Welt und dem Bösen, das er ihr bringt, überdrüssig ist, und vermittelst der Liebe zu einer Sterblichen Erlösung sucht - wie sich zeigen wird: vergeblich.

Nicolas Cavallier gab in Bordeaux einen beeindruckend finster zerrissenen Dämon, Evgenia Muraveva war ihm als zwischen Faszination und Schauder schwankende Geliebte eine ebenbürtige Partnerin. Die Inszenierung von Dmitry Bertman war eine Koproduktion von vier europäischen Opernhäusern, hatte 2018 in Barcelona Premiere, und sollte letztes Frühjahr eigentlich auch in Nürnberg laufen, was dann aber vom Lockdown verhindert wurde. Umso erfreulicher, dass man sich in diesem Mitschnitt von der exzellenten Qualität des Werkes überzeugen kann.

Anschließend:
Schubert: Klaviersonate G-Dur D 894 (Adam Laloum)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 19.06.2021, 20:04 Uhr.