Verdis erster großer Opernerfolg hat mehr zu bieten als den allseits bekannten "Gefangenchor", der später gerne zur Hymne der italienischen Befreiungsbewegung hochstilisiert wurde. Die Geschichte vom babylonischen König Nebukadnezar alias Nabucco bietet neben den großen Chorszenen Raum für ein von Verdi ergreifend gestaltetes Familiendrama von fast Learschen Ausmaßen - mit einem allerdings glücklicheren Ende als bei Shakespeare.

Nabucco - Giovanni Meoni
Ismaele - Antonello Palombi
Zaccaria - Rafał Siwek
Abigaille - Anna Pirozzi
Fenena - Carmen Topciu
Il gran sacerdote - Gianluca Breda
Abdallo - Antonello Ceron
Anna - Fulvia Mastrobuono

Chor und Orchester des Teatro di San Carlo
Leitung: Francesco Ivan Ciampa

(Aufnahme vom 9. Oktober 2018 aus dem Teatro di San Carlo)

"Seit Nabucco habe ich sozusagen keine ruhige Stunde mehr gehabt", klagte Verdi einmal im Rückblick, und wirklich brachte ihm dieses Werk den großen Durchbruch - mit allen positiven wie eben auch negativen Folgen. Nach dem mäßigen Erfolg seines "Oberto" und dem völligen Durchfall seiner zweiten Oper "Un giorno di regno" wurde "Nabucco" im März 1842 an der Mailänder Scala frenetisch gefeiert - und brach in der darauf folgenden Saison sämtliche Aufführungsrekorde. Es waren neben den mächtigen, beeindruckenden Chören allerdings ebenso die exzellenten Solisten, die den Erfolg sicherten, darunter auch Giuseppina Strepponi, Verdis spätere Frau.

Unter diesen Solisten wird insbesondere dem Protagonisten Nabucco einiges abverlangt: muss er doch eine Wandlung vollziehen vom siegessicheren Feldherrn zum mit Wahnsinn geschlagenen alten Mann, der von seiner vermeintlichen Tochter gezwungen wird, das Todesurteil für seine wirkliche Tochter zu unterschreiben. Und auch wenn in "Nabucco" die psychologische Charakterzeichnung der Personen vielleicht noch nicht auf der Höhe von Verdis späteren Opern ist - der Komponist glaubte zeitlebens an sein Werk und bekannte: "Dies ist die Oper, mit der in Wahrheit meine künstlerische Laufbahn beginnt!"

Anschließend:
Mozart: Klaviersonate B-Dur KV 333 (Friedrich Gulda)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 10.04.2021, 20:04 Uhr.

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