Eine Oper ganz ohne Liebesgeschichte und schmachtenden Tenor? Giuseppe Verdi schuf 1847 mit "Macbeth" sein bis dato avanciertestes Stück, fernab der gängigen Konventionen und nachtschwarz und finster, wie man es bisher auf der Bühne noch nicht gesehen hatte.

Macbeth - Luca Salsi
Lady Macbeth - Anna Netrebko
Banquo - Roberto Tagliavini
Macduff - Freddie De Tommaso
Malcolm - Carlos Osuna
Arzt - Ilja Kazakov
Kammerfrau der Lady Macbeth - Aurora Marthens
Diener Macbeths - Alejandro Pizarro-Enríquez
Mörder - Slaven Abazović
Drei Erscheinungen - Johannes Gisser, Nicolas Rudner, Maryam Tahon

Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Philippe Jordan

(Aufnahme vom 10. Juni 2021 aus der Staatsoper)

"Ich glaube, dass diese Oper unserer Musik eine ganz neue Richtung geben und den Komponisten von heute und in der Zukunft neue Wege eröffnen wird" schrieb Verdi während der Arbeit. Zwar hatten vom Sujet her Schaueropern seit Webers "Freischütz" und Meyerbeers "Robert le Diable" durchaus Konjunktur um die Mitte des 19. Jahrhunderts, aber wie Verdi in seiner ersten Shakespeare-Adaption dem gnadenlos mordenden und dann von seinem Gewissen eingeholten Protagonisten-Paar musikalisch nachspürt, das entfernt sich doch sehr von der althergebrachten Nummernoper mit Rezitativ und Arie und Belcanto-Gesang.

Und der Komponist selber hat auch erst Jahrzehnte danach wieder zu einer solch tiefenpsychologisch-prägnanten Charakterzeichnung zurückgefunden. Das 1865 noch einmal überarbeitete Stück markiert gewissermaßen den Umschlag von der romantischen Oper zum realistischen Musikdrama, für dessen weitere Umsetzung Verdi dann übrigens auch wieder gerne auf Werke Shakepeares als Vorlage zurückgriff.

In Barrie Koskys düster-reduzierter Wiener Inszenierung - die Wiederaufnahme einer Produktion aus Zürich von 2016 - stand der neue Musikdirektor der Wiener Staatsoper Philippe Jordan am Pult, Anna Netrebko war - wie immer grandios - in einer ihrer Paraderollen zu erleben, und an ihrer Seite gab Luca Salsi ein von der Kritik ebenso hochgelobtes beeindruckendes Debüt als Macbeth.

Anschließend:
Schubert: Klaviersonate A-Dur D 664 (Janina Fialkowska)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 25.09.2021, 20:04 Uhr.