Am Ende des ersten Teils ist es nur die Katze im Sack, die totgeschlagen wird, am Ende des zweiten wird ein Mensch brutal umgebracht. Beide Male fällt kommentarlos der Vorhang. Und wenn dann - wie in der Wiener Neuinszenierung vom vergangenen Dezember - aufgrund des fehlenden Publikums auch noch der Saal stumm bleibt, gerät Henzes Oper umso mehr zum ebenso bedrückend-irritierenden wie faszinierenden Klangerlebnis.

Fusako Kuroda - Vera-Lotte Boecker
Noboru (Nummer Drei) - Josh Lovell
Ryuji Tsukazaki - Bo Skovhus
Stimme eines Schiffsmaats - Jörg Schneider
Nummer Eins - Erik Van Heyningen
Nummer Zwei - Kangmin Justin Kim
Nummer Vier - Stefan Astakhov
Nummer Fünf - Martin Häßler

Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Simone Young

(Aufnahme vom 14. Dezember 2020 aus der Wiener Staatsoper)

"Ich denke, es tut not, sich zu vergegenwärtigen, dass das Stück keine Moral im westlichen Sinn hat. Es geschehen die Dinge schicksalhaft, wie durch Zufall, wie in der Natur". Diesen Hinweis gab Hans Werner Henze selbst zur etwas verstörenden Handlung seiner Oper "Das verratene Meer". 1990 hatte das Werk nach einem Roman des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima an der Deutschen Oper Berlin seine Premiere, der Komponist hat es danach noch einige Male umgearbeitet, und in dieser letzten Version war es jetzt in Wien zu sehen und zu hören.

Für die Geschichte vom Seemann, der in den Augen seines Stiefsohnes und seiner gnadenlosen Clique für eine biedere bürgerliche Existenz das Meer verrät und dafür von ihnen mit dem Tod bestraft wird, hat Henze eine sowohl gewaltige wie gewalttätige Musik geschaffen. In seinen eigenen Worten: "eine Metapher für das verratene und erzürnte Meer, eine Naturgewalt", für dessen Darstellung der Komponist denn auch das Orchester vor allem im perkussiven Bereich stark erweiterte. Simone Young hatte in der Wiener Aufführung den orchestralen Riesenapparat fest im Griff und sorgte mit einem vorzüglichen Sänger-Ensemble für einen Opernabend, der in Erinnerung bleibt - vielleicht nicht nur in guter, aber das liegt in der Natur der Sache.

Anschließend:
Brahms: Klaviertrio H-Dur op. 8 (Wiener Klaviertrio)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 24.04.2021, 20:04 Uhr.

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