Dass der Belcanto-Meister Donizetti nicht nur im dramatischen Fach zuhause war, sondern ebenso ein begnadeter Buffo-Komponist, weiß man durch Werke wie "Don Pasquale" oder "Die Regimentstochter". In "Viva la Mamma" aber treibt er die Komik auf die Spitze und bringt die Absurditäten des Opernbetriebs selbst auf die Bühne.

Donna Agata Scannagalli - Carlos Álvarez
Daria Garbinati - Nino Machaidze
Procolo - Borja Quiza
Biscroma Strappaviscere - Pietro di Bianco
Luigia Castragatti - Sylvia Schwartz
Guglielmo Antolstoinoff - Xabier Anduaga
Pippetto - Carol Garcia
Cesare Salsapariglia - Enric Martínez-Castignani
Impresario - Piotr Micinski
Theaterdirektor - Luis López Navarro

Chor und Orchester des Teatro Real
Leitung: Evelino Pidò

(Aufnahme vom 9. Juni 2021 aus dem Teatro Real)

Unter dem Titel "Viva la Mamma" allerdings hätte Donizetti das Stück gar nicht gekannt - die nicht wirklich passende Umbenennung ist das Ergebnis einer deutschen Bearbeitung aus den 1960er Jahren. Im Original heißt der Zweiakter von 1831 "Le convenienze ed inconvenienze teatrali", also etwa die "Sitten und Unsitten am Theater". Um diese zu illustrieren, wohnen wir einer Probe bei mit Komponist, Librettist, dem Opernchef und natürlich den Sängern.

Und diese Probe läuft völlig aus dem Ruder: nicht nur wegen der üblichen Rivalitäten unter den Sängern und den Star-Allüren vor allem der Primadonna, sondern auch, weil sich die Mutter - eben "la Mamma" - einer anderen Sängerin einfindet, zunächst eigentlich nur, um ihre Tochter zu protegieren. Später übernimmt die völlig unmusikalische "Mamma", die - Obacht - von einem Bariton gesungen wird, dann jedoch die Rolle des ausgefallenen Mezzosoprans, was wiederum dazu führt, dass der Tenor das Ensemble verlässt, und - um es kurz zu machen: das Ganze endet in einem totalen Fiasko. Die Operntruppe löst sich auf und muss über Nacht fliehen, da sie die schon angehäuften Schulden nicht wird bezahlen können.

Natürlich wird dieses Proben-Chaos von Donizetti garniert mit einem satirisch-ironischen Blick auf die Musik seiner Zeit, die durch die albernen Texte persifliert wird. Von sinnfreien Koloratur-Orgien, ergreifend missglückten Liebesarien bis zu grotesken Triumph- und Trauermärschen ist da wirklich alles vertreten, versehen mit reichlich Situationskomik. Ein musikalischer Spaß der ganz besonderen Art also und ein wirklich selten zu hörendes Stück, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 09.10.2021, 20:04 Uhr.