Eine spannende und zunächst undurchsichtige Kriminalgeschichte, eine von ihren verhängnisvollen Rachegelüsten fehlgeleitete Protagonistin, kombiniert mit einer heißglühenden Liebesromanze samt tränenreichem Schluss - was will man mehr von einem saftigen Opernplot?

Fedora - Lianna Haroutounian
Loris Ipanov - Luciano Ganci
Olga Sukarev - Valentina Mastrangelo
De Siriex - Franco Vassallo
Baron Rouvel - Marcel Beekman
Boroff - Martijn Sanders
Gretch - Jasper Leever
Désiré - Linard Vrielink
Cirillo - Frederik Bergman
Dimitri - Esther Kuiper
Loreck - Wiebe Pier Cnossen
Sergio - Georgi Sztojanov
Nicola / Michele - Lars Terray
Ein Knabe - Tibbe Alkemade

Chor und Orchester des Niederländischen Rundfunks
Leitung: Giampaolo Bisanti

(Aufnahme vom 11. September 2021 aus dem Concertgebouw)

Nachdem Umberto Giordano 1896 mit seiner Revolutionsoper "Andrea Chénier" bekannt geworden war - bei der gewissermaßen die Revolution und das Volk die dumpf-treibende Hauptrolle spielte - wechselte er mit der zwei Jahre später entstandenen "Fedora" auf die intim-aristokratische Seite und brachte mit der russischen Fürstin ein zwar vor historischem Hintergrund spielendes, aber doch in erster Linie ganz individuelles Seelendrama auf die Bühne. Vorlage war das gleichnamige Theaterstück von Victorien Sardou - seinerzeit einer der erfolgreichsten französischen Dramatiker, dessen "Tosca" Puccini kurz danach zum Opernhit machen sollte.

Für die Geschichte der sich am Mörder ihres Verlobten zunächst rächen wollenden Fürstin Fedora, die dann ganz anders verläuft als geplant, schuf Giordano eine Musik voll süffigen Melodienreichtums, mit geschickt eingesetzten lokalen Einsprengseln für die in St. Petersburg, Paris und der Schweiz spielende Handlung, versehen mit instrumentatorischen Finessen wie der Ziehharmonika im dritten Akt und der salonmäßigen, reinen Klavierbegleitung des großen Duetts im zweiten Akt. Und Giordano schrieb zudem einen der wohl herzergreifendsten Schlüsse des italienischen Opernrepertoires überhaupt: eine Sterbe- und Abschiedsszene, die es durchaus mit dem Finale von Verdis "Traviata" oder Puccinis "Bohème" aufnehmen kann - und die man dementsprechend auf jeden Fall einmal gehört haben sollte.

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 18.12.2021, 20:04 Uhr.