Mit seiner letzten Oper von 1893 hat es der alte Giuseppe Verdi noch einmal allen gezeigt. In einem Genre, das der geborene Dramatiker aus guten Gründen seit 50 Jahren nicht mehr angefasst hatte: der Musikkomödie. Und er hat damit dieser Ende des Jahrhunderts eigentlich schon ausgestorbenen Gattung ein neues großes und einzigartiges Meisterwerk geschenkt.

Falstaff - Wolfgang Koch
Ford - Boris Pinkhasovich
Fenton - Galeano Salas
Dr. Caius - Kevin Conners
Pistola - Callum Thorpe
Bardolfo - Timothy Oliver
Alice Ford - Ailyn Pérez
Mistress Quickly - Judit Isabela Kutasi
Nannetta - Elena Tsallagova
Meg Page - Daria Proszek

Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper
Leitung: Michele Mariotti

(Aufführung vom 2. Dezember 2020 aus dem Nationaltheater)

Nach dem "Otello" von 1887 war der "Falstaff" Verdis zweite Zusammenarbeit mit dem Librettisten Arrigo Boito. Nach Shakespeares "Lustigen Weiber von Windsor" hat Boito für die Geschichte vom übel ausgetricksten Sir John Falstaff und seinem prominent wichtigen Bauch - der fast schon die Hauptrolle in dem Stück spielt - eines der besten und witzigsten Textbücher aller Zeiten geschaffen. Verdi folgt ihm in dieser Charakter- und Gesellschaftstudie mit reichlich Situationskomik passgenau und detailversessen wie selten zuvor: mit einer bildhaften Drastik und einem Tempo, das keinen Raum mehr lässt für Arien althergebrachten Stils.

In München gab der Bariton Wolfgang Koch ein grandioses Rollendebüt als Falstaff, und die Regisseurin Mateja Koležnik ließ es sich nicht nehmen, zumindest in einem Punkt auf die misslichen Umstände der Aufführung - wieder einmal ohne Publikum - einzugehen: die Inszenierung endet mit einer Videokonferenz aller Beteiligten mit über Lautsprechern zugespielter Musik. Und da konnte sich dann zu den Worten der Schlussfuge - "Alles auf Erden ist Torheit, wir Menschen sind die geborenen Narren" - jeder seinen Teil denken.

Anschließend:
Mendelssohn: 2. Cellosonate D-Dur op. 58 (Danjulo Ishizaka / Martin Helmchen, Klavier)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 05.06.2021, 20:04 Uhr.