Mit Liebestränken sollte man vorsichtig sein auf der Opernbühne - das weiß man spätestens seit Wagners "Tristan". Wenn aber bei Donizetti ein schlichter Bauernbursche, inspiriert von der Geschichte von Tristan und Isolde, zur Flasche greift, nimmt das Ganze doch ein gutes Ende - obwohl oder vielleicht gerade weil das Elixier völlig wirkungslos ist.

Adina - Benedetta Torre
Nemorino - Paolo Fanale
Belcore - Davide Luciano
Dulcamara - Giulio Mastrototaro
Giannetta - Francesca Pia Vitale

Chor und Orchester der Scala
Leitung: Michele Gamba

(Aufnahme vom 9. November 2021 aus der Scala)

Donizetti schrieb seinen "L’elisir d’amore" 1832 auf ein Textbuch des seinerzeit bekanntesten italienischen Librettisten Felice Romani. Der es allerdings seinem ebenso berühmten französischen Kollegen Eugène Scribe geklaut hatte, dessen Stück in der Vertonung von Daniel-François-Esprit Auber ein Jahr zuvor in Paris über die Bühne gegangen war. Das war nicht ungewöhnlich, sondern seinerzeit übliche Praxis. Während aber die französische Version heute niemand mehr kennt, wurde Donizettis "Liebestrank" zum echten Hit, und das schon bald nach der erfolgreichen Premiere am 12. Mai 1832 in Mailand.

Am Ort der Uraufführung stand das Werk jetzt wieder einmal auf dem Programm, und man konnte sich erneut erfreuen an den spritzig-unterhaltsamen Ensemble- und Chor-Szenen in ländlicher Idylle, dem für eine Buffo-Oper geradezu unvermeidlichen "dottore" - der in diesem Fall gar keiner ist, sondern ein redegewandter Quacksalber, der für jedes Wehwehchen eine unwirksame Medizin bereithält - vor allem aber an der geradezu verschwenderischen Fülle von wunderbaren Kavatinen, wie sie neben Bellini wohl nur Donizetti schreiben konnte, und um deren bekannteste bis heute sicherlich kein Tenor herumkommt: "Una furtiva lagrima".

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 01.01.2022, 20:04 Uhr.