Boris Godunow ist ein gequälter Zar zwischen gierigem Ehrgeiz und lähmender Paranoia. Nach dem Drama von Alexander Puschkin bringt Modest Mussorgskij ein Drama aus dem mittelalterlichen Russland auf die Bühne, das in seiner Urfassung gleichermaßen prachtvoll wie düster leuchtet. Unter der Leitung von Sebastian Weigle ist die Oper mit René Pape, einem der führenden Darsteller des Boris Godunow unserer Zeit, zu erleben.

Boris Godunow - René Pape
Fjodor, sein Sohn - Megan Marino
Xenia, seine Tochter - Erika Baikoff
Xenias Amme - Eve Gigliotti
Grigori, der falsche Dmitrij - David Butt Philip
Fürst Wassili Iwanowitsch Schuiski - Maxim Paster
Andrei Schtschelkalow, Schreiber der Bojarenduma - Aleksey Bogdanov
Pimen - Ain Anger
Warlaam - Ryan Speedo Green
Nikititsch, Vogt - Richard Bernstein
Mitjuch, Bauer - Bradley Garvin
Eine Schankwirtin - Tichina Vaughn
Ein Gottesnarr - Miles Mykkanen
Missail, vagabundierender Mönch - Brenton Ryan
Polizeioffizier - Kevin Burdette
Ein Leibbojar - Mark Schowalter

Chor und Orchester der Metropolitan Opera
Leitung: Sebastian Weigle

(Aufnahme vom 9. Oktober 2021)

Auch wenn heutige Historiker Boris Godunow eher für unschuldig halten, bei Puschkin und Mussorgskij wird angedeutet, dass Boris Godunow in den Mord verwickelt war, der ihn in das Amt des Zaren gebracht hat. Es ist eine problematische Zeit für das Russische Reich: An der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert endet die Herrschaft einer Dynastie - und eine neue konnte sich noch nicht etablieren. Zwischen 1598 und 1605 spielt die Oper, die vom Aufstieg bis zum Fall des neuen Zaren handelt. Dabei zeigt Mussorgskij nicht nur die Pracht des Hofs in Moskau, sondern auch das geknechtete Volk.

Eine besondere Rolle spielt ein junger Mönch, der behauptet der rechtmäßige Zar Dmitrij zu sein und in Polen bereits einige Anhänger um sich versammeln konnte. Obwohl dem Zaren versichert wird, dass der echte Dmitrij getötet wurde, nagt der Zweifel am bereits geschwächten Boris Godunow. Er setzt seinen Sohn Fjodor als Nachfolger ein und stirbt. Die Oper aber endet mit dem Bild des aufstrebenden (falschen) Dmitrij.

Am Mikrofon: Martin Grunenberg

Anschließend:
Modest Mussorgskij:
Träumerei (Leif Ove Andsnes, Klavier)
Morgendämmerung über der Moskwa aus "Chowanschtschina" (Orchester des Bolschoi Theaters Moskau / Alexander Vedernikow)
Der Traum des Bauernburschen Grizko aus "Der Jahrmarkt von Sorotschinzy" (Franz Mayer, Bariton / Frankfurter Singakademie / Figuralchor des Hessischen Rundfunks / Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester / Youri Ahronovitch)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 26.02.2022, 20:04 Uhr.