1003 Frauen hat er schon verführt - und das nur in Spanien! Doch beim 1004. Versuch hat sich Don Giovanni gehörig verrechnet - und bekommt es mit einem Toten und gleich zwei Verflossenen zu tun, mit furiosem Höllen-Finale. So zu erleben auch in der Produktion der Staatsoper Wien, wo der Amerikaner Kyle Ketelsen den Bösewicht Don Giovanni im vergangenen Dezember gab.

Don Giovanni - Kyle Ketelsen
Komtur - Ain Anger
Donna Anna - Hanna-Elisabeth Müller
Don Ottavio - Stanislas de Barbeyrac
Donna Elvira - Kate Lindsey
Leporello - Philippe Sly
Zerlina - Patricia Nolz
Masetto - Peter Kellner

Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Philippe Jordan

Mozart: Don Giovanni

(Aufnahme vom 5. Dezember 2021 aus der Staatsoper Wien)

Mozarts "Don Giovanni" zählt zu seinen drei Meister-Opern, die er gemeinsam mit dem kongenialen Librettisten Lorenzo da Ponte schuf. Irgendwo zwischen Commedia dell'arte und "mystischem Drama" siedeln Mozart und da Ponte die Figuren an - was sich auch in der düsteren Tonart d-Moll wiederspiegelt, die das gesamte Werk durchzieht. Zumal Don Giovanni am Ende seine Grenzen buchstäblich überschreitet - indem er den toten Komtur, den er beim Duell getötet hat, zum Gastmahl einlädt. Die magisch-übersinnliche Szene hat nicht zuletzt Romantiker wie E.T.A. Hoffmann, Carl Maria von Weber und Richard Wagner nachhaltig geprägt.

Den Auftrag zu "Don Giovanni" erhielt Mozart 1787 von der Prager Operngesellschaft, für die er ein Jahr zuvor bereits seine Oper "Le nozze di Figaro" komponiert hatte: Ein triumphaler Erfolg, an dem man nun anknüpfen wollte. Und das gelang, zumindest in Prag. Für die Wiener Erstaufführung 1788 musste Mozart nochmal nachbessern - die Oper galt am kaiserlichen Hof zunächst als unsingbar. Und Lorenzo da Ponte berichtete, der Kaiser hätte das Werk zwar ausgesprochen schön gefunden, es sei aber wohl "kein Bissen" für seine Wiener. Auch ein Kaiser kann irren, wie die Musikgeschichte zeigt.

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 30.04.2022, 20:04 Uhr.