Nachdem das Festival letztes Jahr der Pandemie komplett zum Opfer gefallen war, durfte diesen Sommer wieder gejubelt werden in Aix-en-Provence. Und Mozarts "Figaro" gab auf der wieder gefüllten heimeligen Freilichtbühne in der spritzig-bunten frauenbewegten Inszenierung von Lotte de Beer mit einem exzellenten Sänger-Ensemble allen Grund für Begeisterungsstürme.

Figaro - Andrè Schuen
Susanna - Julie Fuchs
Graf Almaviva - Gyula Orendt
Gräfin Almaviva - Jacquelyn Wagner
Cherubino - Léa Desandre
Marcellina - Monica Bacelli
Bartolo - Maurizio Muraro
Basilio/Curzio - Emiliano Gonzalez-Toro
Barbarina - Elisabeth Boudreault
Antonio - Leonardo Galeazzi

Chor des Nationalkonservatoriums Marseille
Balthasar Neumann Ensemble
Leitung: Thomas Hengelbrock

(Aufnahme vom 5. Juli 2021 aus dem Théâtre de l'Archevêché)

"Le Nozze di Figaro" war 1786 die erste Zusammenarbeit des Erfolgsduos Mozart - da Ponte, der noch der "Don Giovanni" und "Cosi fan tutte" folgen sollten. Vorlage war das skandalträchtige und in Wien verbotene Theaterstück von Beaumarchais, das der Librettist für die Wiener Zensur geschickt entschärfte. Aber was dabei an politischer Brisanz vielleicht verloren ging, wird durch die grandiose Musik mehr als wett gemacht. Das intrigenreiche Verwirrspiel um Liebe, Erotik und Macht, bei dem am Ende die Frauen das Sagen und das letzte Wort haben, hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren.

Die fulminante Aufführung in Aix war bis in die kleinste Nebenrolle ein wahres Sängerfest, punktgenau und in den Rezitativen mit sprühender Fantasie begleitet vom Balthasar Neumann Ensemble und Thomas Hengelbrock. Ein Opernabend, der keine Wünsche offen ließ.

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 16.10.2021, 20:04 Uhr.