Kein anderes Werk hat Richard Wagner immer wieder so sehr beschäftigt wie der "Tannhäuser". Vielleicht auch wegen der unentschieden schillernden Zerrissenheit des Protagonisten: zwischen irdischer und himmlischer Liebe, zwischen der verzehrenden Sinnlichkeit des Venusbergs und der konservativ gesitteten Ritterwelt der Wartburg.

Tannhäuser - Peter Seiffert
Elisabeth - Emma Bell
Venus - Sophie Koch
Wolfram von Eschenbach - Christian Gerhaher
Landgraf Herrmann - Stephen Milling
Walther von der Vogelweide - Ed Lyon
Heinrich - Samuel Sakker
Biterolf - Michael Kraus
Reinmar - Jeremy White
Ein junger Hirt - Duncan Tarboton
Vier Edelknaben - Kiera Lyness, Deborah Peake-Jones, Louise Armit, Kate McCarney

Chor und Orchester des Royal Opera House, Covent Garden
Leitung: Hartmut Haenchen

Wagner: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg

(Aufnahme vom 21. Mai 2016 aus dem Royal Opera House, Covent Garden)

Eine höchst ambivalente Persönlichkeit, die geradezu nach Erlösung verlangt, und für die mit der quasi heiligen "Elisabeth" beim Komponisten wieder einmal - nach der "Senta" aus dem "Fliegenden Holländer" - eine Frau zuständig ist.
Er sei der Welt noch den Tannhäuser schuldig, soll der alte Wagner noch kurz vor seinem Tod geäußert haben, und er meinte damit das für ihn wohl nie wirklich abgeschlossene Projekt der verschiedenen Fassungen dieser Oper. 1845 in Dresden uraufgeführt, gab es schon in der Folgezeit immer wieder Änderungen. 1861 erstellte der Komponist für Paris dann eine französischsprachige Version, die sich vor allem durch die deutliche Erweiterung des 1. Aktes durch die Venusberg-Musik vom Original unterschied. Und auch die genaue Gestaltung des Schlusses, der besagten Erlösung, changierte immer wieder. Die letzte, wiederum deutschsprachige Variante entstand 1875 für Wien, und diese Fassung liegt auch unserer Aufführung aus London zugrunde.

Hartmut Haenchen - der kurz darauf sein unerwartetes Debut in Bayreuth geben sollte, als er für Andris Nelsons einsprang - dirigierte im Frühjahr 2016 in Covent Garden, mit Peter Seiffert stand ein bewährter Tannhäuser auf der Bühne. Sophie Koch und Emma Bell waren dagegen zum ersten Mal als Venus und Elisabeth zu hören. Der heimliche Star des Abends aber war sicherlich Christian Gerhaher, der schon 2010 in der Erstproduktion der Inszenierung von Tim Albery den Wolfram sang, und dieser Rolle eine ganz besondere lyrische Intimität und Eindringlichkeit verlieh.

Anschließend:
Beethoven: Klaviertrio G-Dur op. 1 Nr. 2 (Haydn-Trio)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 12.06.2021, 20:04 Uhr.

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