Was bei der Premiere im Februar 1816 mit einem totalen Fiasko begann, entwickelte sich danach zu einer im komischen Genre in seiner Kontinuität geradezu singulären Erfolgsgeschichte. Und so war es auch in Wien - über 50 Jahre nach der letzten Inszenierung - wieder mal Zeit für eine Neuauflage des Opera-buffa-Feuerwerks.

Graf Almaviva - Juan Diego Flórez
Figaro - Etienne Dupuis
Rosina - Vasilisa Berzhanskaya
Bartolo - Paolo Bordogna
Basilio - Ildar Abdrazakov

Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Michele Mariotti

(Aufnahme vom 28. September 2021 aus der Staatsoper)

Rossinis "Barbier von Sevilla" beruht auf dem ersten Teil der seinerzeit berühmt-berüchtigten Figaro-Trilogie von Beaumarchais, deren zweiter Teil schon die Vorlage von Mozarts "Figaro" war. Während bei Mozart Figaro der Diener und einer der Gegenspieler des Grafen ist, führt er bei Rossini noch als gutbezahlter, eigenständiger Handlanger Regie im trickreichen, immer wieder scheiternden und deshalb so spaßigen Intrigenspiel, um den Grafen seiner angebeteten Rosina zuzuführen - der späteren Mozartschen Gräfin.

Musikalisch steht der gerade mal 23-jährige Rossini mit dem überbordenden Ideenreichtum und der Spritzigkeit des "Barbier" auf der Höhe seines Könnens - mit Glanznummern wie "Largo al factotum", "Una voce poco fa" und natürlich "La callunnia" ("die Verleumdung"), diesem für den Komponisten geradezu idealtypischen Stück, das die anschwellende und sich langsam ins Grandiose steigernde "Rossini-Walze" so raffiniert in Einklang bringt mit der im Text beschworenen unaufhaltsamen Verbreitung des Gerüchts.

Die Wiener Inszenierung von Herbert Fritsch bot den "Barbier" als lustiges Figurentheater mit bunten Rokoko-Kostümen und aufgebauschten Frisuren, sängerisch hervorragend besetzt mit einer Mischung aus arrivierten Stars wie Juan Diego Flórez und Ildar Abrazakov und weniger bekannten Namen - etwa dem als Figaro gefeierten jungen Kanadier Étienne Dupuis - von denen man in den nächsten Jahren sicherlich noch hören wird.

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 04.12.2021, 20:04 Uhr.