Beim sommerlichen Festival in Rossinis Heimatstadt Pesaro stehen neben den gern gehörten Erfolgsnummern immer wieder auch unbekannte und zu Unrecht vergessene Opern des berühmtesten Sohnes der Stadt auf dem Programm. Dieses Jahr war es die unglücklich liebende englische Königin "Elisabetta", eines der frühen dramatischen Werke des Komponisten.

Elisabetta - Karine Deshayes
Leicester - Sergej Romanovsky
Matilde - Salome Jicia
Enrico - Marta Pluda
Norfolc - Barry Banks
Guglielmo - Valentino Buzza

Chor des Teatro Ventidio Basso
Nationales Sinfonieorchester der RAI
Leitung: Evelino Pidò

(Aufnahme vom 11. August 2021 aus der Vitrifrigo Arena)

"Man erlebte die großen Emotionen der Opera seria, und sie waren mit keinem Augenblick von Schwäche und Langeweile erkauft" - das schrieb der ansonsten nicht immer ganz zuverlässige Stendhal in seiner Rossini-Biografie über die Uraufführung der "Elisabetta" im Oktober 1815 in Neapel, und er hatte recht: es war wirklich ein großer Erfolg, mit dem der 23-jährige Komponist erstmalig in der seinerzeit bedeutendsten Opernstadt Italiens reüssierte. Mit verantwortlich für diesen Triumph war sicherlich auch die Sängerin der anspruchsvollen Hauptrolle, eine der großen Diven der Zeit: Isabella Colbran, für die Rossini in der Folge fast alle seine großen Sopran-Partien schreiben sollte - und die dann auch seine Geliebte und spätere Frau wurde.

Musikalisch griff der Komponist in der "Elisabetta" ausgiebig auf frühere eigene Werke zurück, was seinerzeit zum einen gängige Praxis war, zum anderen kannte man in Süditalien Rossini eben noch nicht - es konnte von daher niemandem auffallen. Genau wie es uns heutzutage kaum auffallen wird, denn die Vorläufer sind wie die "Elisabetta" doch weitgehend aus den Spielplänen verschwunden.
Eine Ausnahme allerdings lässt sich dann doch nicht verheimlichen: die Ouvertüre. Die hatte der Komponist nämlich nicht nur zwei Jahre zuvor schon einmal verwendet, sondern ein Jahr später auch - die Zeit drängte wieder einmal - für seinen allergrößten Hit, den "Barbier von Sevilla".

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 29.01.2022, 20:04 Uhr.