Seit der umjubelten Premiere vor 200 Jahren ist sie die deutsche romantische Oper schlechthin - in München auf die Bühne gebracht in einer am Ende nicht wirklich funktionierenden Inszenierung, aber mit einem vorzüglichen Sänger-Ensemble.

Max - Pavel Černoch
Agathe - Golda Schultz
Ännchen - Anna Prohaska
Kaspar - Kyle Ketelsen
Kuno - Christian Rieger
Ottokar - Boris Prýgl
Kilian - Milan Siljanov
Eremit - Tareq Nazmi
Vier Brautjungfern - Eliza Boom, Sarah Gilford, Daria Proszek, Yajie Zhang

Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper
Leitung: Antonello Manacorda

(Aufnahme vom 13. Februar 2021 aus dem Nationaltheater)

"Weber kam auf die Welt, um den Freischütz zu schreiben", meinte Hans Pfitzner etwa hundert Jahre nach der Uraufführung. Und auch wenn er etwas übertrieb, brachte er doch auf den Punkt, dass Weber vor allem wegen dieser einen Oper im Bewusstsein geblieben war. Einem Werk, das mit volkstümlichem "Jungfern"- und "Jäger"-Chor, der unheimlichen Wolfsschlucht und den kunstvoll-eingängigen Arien im 19. Jahrhundert eine unglaubliche Popularität erlangte hatte. Weder Weber selber noch ein anderer Komponist konnte bis zur Jahrhundertmitte mit einem deutschsprachigen Werk an diesen Erfolg anknüpfen. Nicht zuletzt deshalb wurde der "Freischütz" zur der deutschen Nationaloper.

Dmitri Tscherniakov versetzte in seiner Münchner Inszenierung die Geschichte aus den böhmischen Wäldern ins zwar holzgetäfelte, aber doch kalt-sterile Foyer einer modernen Unternehmensdynastie. Der Oberförster wurde zum despotischen Chef, Max ein zwar ambitionierter, aber etwas unentschieden-hilfloser Angestellter, der ebenfalls zur Firma gehörende Kaspar ist ein traumatisierter Kriegs-Heimkehrer. Ännchen schließlich ist nicht die brave, neckische Vertraute, sondern die selbstbewusst-emanzipierte Freundin von Agathe, der sie ihre Flucht in den spießbürgerlich-sicheren Hafen der Ehe übelnimmt. Das hatte natürlich auch einige Änderungen in den gesprochenen Dialogen zur Folge, zudem wollte das Konzept im letzten Akt nicht so recht aufgehen und kollidierte doch etwas mit der durchs Libretto vorgegebenen Handlung.

Musikalisch aber war es ein großer Abend unter der Leitung von Antonello Manacorda, mit einer durchweg überzeugenden Sänger-Besetzung, allen voran Golda Schultz als phänomenale Agathe. Auf den wohlverdienten Applaus mussten Mitte Februar allerdings wieder einmal alle verzichten.

Anschließend:
Hummel: Klaviertrio E-Dur op. 83 (Trio Parnassus)

Sendung: hr2-kultur, "Opernbühne", 02.10.2021, 20:04 Uhr.