In der Mythologie der Mayas und der Azteken ist der Wind eine Gottheit - verbunden mit der wiederkehrenden Zerstörung und der (Neu-)Erschaffung des Kosmos.

Den Schöpfergott Quetzalcoatl verkörpert der Wind, der den Wolken den Weg weist und so den Regen anzieht. Und Ehecatl, Gott des Windes und der Gelehrsamkeit, ist so stark, dass sein Atem Sonne und Mond in Bewegung setzen kann und die ewige Zeit des Kosmos zum Fließen bringt. In dem Hörstück "Wind" des mexikanischen Komponisten, Klangkünstlers und Instrumentalisten Wingel Mendoza (* 1982), der im hessischen Maintal-Bischhofsheim lebt, verbinden sich verschiedene Manifestationen des Windes: das Flattern der Vögel, das Geräusch einzelner Blätter, die Klänge von Glocken oder fernen Zügen, deren sonore Texturen durch die Luft transportiert werden. Kein Wind ist wie der andere. "Kirchen, Wälder, Bahnhöfe und Felder meines Wohnorts", so Mendoza, "bilden die Aufnahmequellen für mein Hörstück 'Wind'. An manchen Tagen war der Wind ruhig, an anderen waren seine Stöße sehr schnell. Einige Aufnahmen reinterpretierte ich mit einer Flöte oder E-Gitarre. Der Wind war meine Partitur."

Sendung: hr2-kultur, "The Artist's Corner", 02.10.2021, 23:00 Uhr.