Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre: In dieser Zeit als evangelischer Pfarrer in Kaiserslautern schreibt der Musikwissenschaftler und autodidaktische Komponist Dieter Schnebel ein bemerkenswertes wie radikales Stück für Sprecher und Instrumentalisten: "glossolalie".

Wegen seiner Komplexität gilt die Partitur zunächst als unaufführbar. Zahllose Sprachen und Schriften, Zitate aus alltäglichen und klassischen Texten sowie früheste und jüngste Notationen treffen hier aufeinander und formieren eine szenisch-gestische Komposition mit Gesprochenem aller Art plus manch seltenem, manch überraschendem Repertoire-Klang. Jeglicher Sound ist hier Musik und jede Klanggeste Sprachäußerung, -entäußerung. Der Heilige Geist, so der Gedanke und Glaube, brachte die Urchristen in Ekstase und ihre Zungen redeten wie von selbst und meist unverständlich, oft von Wimmern und Jaulen durchsetzt. Das Zungenreden, die "Glossolalie" hat in manchen pietistischen Gemeinden noch heute Platz und Praxis.

Sendung: hr2-kultur, "The Artist's Corner", 22.05.2021, 23:00 Uhr.

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