Siegfried - Staatstheater Kassel

Am Staatstheater Kassel geht ein Mammutprojekt in die letzte Runde. Die Neuinszenierung des dritten Teils von Wagners Ring: "Siegfried". Überzeugend konnte das Stück an die ersten beiden euphorisch gefeierten Teile "Rheingold" und "Walküre" anknüpfen.

Ja, tatsächlich! Es ist - wieder - eine hervorragende Arbeit - und damit ein würdiger Abschluss dieser Trilogie. Auch der innere Bogen des Stücks wird schlüssig zu Ende gebracht, so dass man diesen Abend genießen kann, auch wenn man die beiden ersten Akte "Rheingold" und "Walküre" nicht gesehen hat.

Rundum herausragend

Das Orchester hat hervorragend transparent und klar musiziert - ohne jegliches mythisches Gewalle und Gewoge, das einem bei Wagner gerne mal begegnet. Das Kasseler Orchester zeigte sich konditionsstark und Sängerfreundlich. Die Sänger selbst waren ausnahmslos sehr gut - wenn auch nur Gäste, aus dem Ensemble stammt lediglich die Stimme des Waldvogels.

Bringt neue Perspektiven

In "Siegfried" wird ein Schwert geschmiedet, ein Drache getötet und eine schlafende Frau in einem Feuerkreis wach geküsst - soweit die inhaltliche Kürzestfassung. Die Kasseler Inszenierung hat die Geschichte aber um einige Perspektiven erweitert, die man sonst nicht so sieht.

So lenkt das Stück besondere Aufmerksamkeit auf eine Figur, die man sonst eher nebenher sieht: den Waldvogel. Wagner selbst hatte gesagt, der Waldvogel sei die Stimme von Siegfrieds Mutter. Und von dieser Stimme erscheint der vermeintlich "freie Held" in der Kasseler Inszenierung gesteuert in seinen Handlungen.
Das Stück braucht in Kassel auch keinen Wald als Schauplatz - sondern inszeniert die Verdammten, die Vergessenen dieser Welt, die als "Nibelungen" den Schatz des Rheingolds irgendwo in der Unterwelt schmieden, in einer bedrückenden Szenerie aus Müllkippe und Guantanamo-Gefängnis. Ein sehr starkes Bild, das man so noch nicht in einer Siegfried-Inszenierung gesehen haben dürfte.

"Siegfried" von Richard Wagner
Staatstheater Kassel
Restkarten für weitere Termine: 21. und 28. September, 5. und 26. Oktober

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 16.9.2019, 7:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit