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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Still, kraftvoll, verwandelt - und zu entdecken!"

Juul Kraijer: Untitled, 2016

"Zweiheit" heißt die neue Ausstellung des Sinclair-Hauses in Bad Homburg. Die Künstlerin Juul Kraijer ist in Deutschland noch nahezu unbekannt. Ihre Zeichnungen und Fotografien zeigen "Körper als Gefäß, als Träger von Bedeutung", so die Niederländerin.

Juul Kraijer: Untitled, 2016-2019

Das Gesicht der Frau mit den gleichmäßigen, klassischen Zügen sieht man drei Mal: Wie ein Triptychon ist die große Video-Installation angeordnet. Die Frau blickt konzentriert. Sie ist ruhig und sehr bei sich. Auf ihrem Gesicht, um ihren Kopf, ein Bündel lebendiger, sich bewegender Schlangen. Junge Pythons. Ihre Leiber bewegen sich langsam, manchmal ruckartig.

Man sieht wie sich die Schlangenköpfe an der Haut der Frau entlang schieben, fast zärtlich. Die Frau rührt sich nicht. In manchen Sequenzen ist sie nahezu vollständig von den Schlangen bedeckt und ich frage mich, wie sie noch atmen kann. Ihr Gesicht ist eingerahmt von einem Kranz lebendiger Schlangen. Es ist das mit Abstand stärkste Bild der Medusa, das ich je zu Gesicht bekam. Keine noch so dramatische Malerei, kein antikes Bronzeschild, nichts kommt in seiner Intensität an diese Videoarbeit von Juul Kraijer heran.

Juul Kraijer: Untitled, 2016-2019

Verwandelte Formen ohne Grenzen

Juul Kraijer: Untitled, 2001

Die Fotografien von Juul Kraijer zeigen die Schönheit der Begegnung von Mensch und Tier. Vor allem Tiere, denen wir üblicherweise nicht nahe kommen. Große Schmetterlinge und Käfer, weiße Vögel, Schwan, Taube, Eule. Das Modell begegnet ihnen allen mit Demut und Sanftheit. Vor schwarzem Hintergrund – still, kraftvoll. Die archetypischen Geschöpfe rufen sofort die großen Geschichten der Antike in den Sinn. So finde ich Leda und den Schwan – Der nackte weibliche Körper und der Schwanenkörper, dicht an dicht. Ihre Hand stützt den Kopf des eleganten Tieres.

Zauberhafte Verwandlungen

Eine zarte Zeichnung, weiß auf dunklem Papier, beschreibt eine Daphne, die Verwandlung einer Frau in einen Lorbeerbaum. Fast erscheint mir die Ausstellung wie eine moderne Interpretation von Ovids Metamorphosen. Es sind überhaupt viele Verwandlungen zu entdecken. Die Körper auf den Fotografien erscheinen fließend, nicht länger den üblichen Grenzen des Menschlichen unterworfen. Manche Leiber erinnern an Kokons von Insekten, an Blätter oder Pflanzen. Der Tod ist präsent. Die Dunkelheit. Die Verletzlichkeit des Lebens.

Juul Kraijer: Untitled, 2016-2017

Ahnungen von Abstraktion

Das vorherrschende Medium von Juul Kraijer ist die Zeichnung. Die Kohle ist ein weiches, organisches Material. Ihr Staub hat eine geringe körperliche Präsenz, ist mehr Ahnung und Gedanke. Das Schwarz-Weiß der Kohle ist auch immer etwas abstrakt, mehr Vorstellung als Teil der materiellen Realität. Dass es ausschließlich Frauen sind, die die Künstlerin zeichnet, hat etwas mit ihrem eigenen Geschlecht zu tun, sie denkt sich ihre Bilder mit weiblichen Körpern.

Träume am Rande der Gedanken

Juul Kraijer: Untitled, 1997

Eine Frau, die Kolibris gebärt, eine Begegnung mit der "anderen Seite", einer Spiegelwelt, der Kopf, der zwei Gesichter hat, wie der Januskopf. Eine schwebende, nackte Gestalt, die von hunderten kleiner Fische begleitet wird. Eine Frau, auf deren Gesicht sich eine Schleiereule niedergelassen hat. Eine Frau hinter einer Dornenhecke. Die Bilder und Gedanken, die Juul Kraier sichtbar werden lässt, scheinen aus dem Unbewussten, dem Traumbewusstsein des Menschlichen gespeist zu werden.

Weitere Informationen

Juul Kraijer: Zweiheit

Museum Sinclair-Haus
Bad Homburg
Löwengasse 15, Eingang Dorotheenstraße
bis 1. Juni 2020
Künstlergespräch am 11.3., 19 Uhr

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Sie zeigen den Menschen, die Frau, die verwoben ist mit der Natur, die Sehnsucht nach einer Einheit mit dem Leben. Am schönsten vielleicht ausgedrückt durch das Motiv, das auch das Plakat und die Einladungskarte der Ausstellung ziert: Man sieht wie sich eine weiße Taube gerade auf dem nackten Rücken einer Frau niederlässt. Die aufgelöst erscheinende Gestalt des Vogels scheint mit dem Menschen zu verschmelzen, die Zweiheit wird zu einer Einheit, etwas Neuem.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 2.3.2010, 8:45 Uhr

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