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Liebieghaus Frankfurt: Bunte Götter

Die Skulpturen der Antike waren mitnichten weiß und nüchtern, sondern farbig und sehr lebensnah. Nach zehn Jahren zeigt das Frankfurter wieder eine Ausstellung "Bunte Götter". Was bringt die Neuauflage?

Liebieghaus Frankfurt: Bunte Götter

Vor 40 Jahren haben Archäologen in Athen damit begonnen, die Farbigkeit antiker Marmorskulptur zu erforschen. Seitdem haben sich die Untersuchungsmethoden radikal verbessert und der Forschung zu neuen Erkenntnissen verholfen. Gemeinsam mit seinem Team hat Kurator Vinzenz Brinkmann über hundert Forschungsprojekte in allen relevanten Sammlungen der Welt durchgeführt und 60 Rekonstruktionen antiker Skulptur in ihrer Farbigkeit realisiert – die Skulpturen farbig gefasst, wie man sagt.

Sieht man im Liebieghaus in erster Linie Rekonstruktionen?

Experimentelle Farbrekonstruktion der "Peploskore" von der Athener Akropolis im Liebieghaus Frankfurt

Auch. Sie sind im gesamten Museums ausgestellt und gehen einen Dialog mit der Sammlung ein. Man beginnt den Rundgang im Bereich der Ägyptischen Antike: Skulpturen, Reliefs oder Sarkophage kennen wir ganz selbstverständlich als farbig. Auch aus dem Mittelalter sind bemalte, also farbige Skulpturen ganz üblich und verwundern uns nicht. Die Ausstellung zeigt, wie sich in diesen Zeiten farbige antike Skulptur entwickelt hat. Man sieht also die Sammlung des Hauses, viele, viele Fotos und Abbildungen in Vergrößerung, die Farbfunde und Farbreste an Skulpturen zeigen. Und man sieht die Rekonstruktionen, teilweise mehrere Alternativen – wie die Stücke ursprünglich einmal ausgesehen haben könnten. Oder wie Vinzenz Brinkmann sagte: "Archäologie kann keine Wahrheit zeigen, sondern nur Vorschläge liefern."

Und wie vermittelt sich die Ausstellung ästhetisch?

Liebieghaus Frankfurt: Bunte Götter - Die Bronzekrieger Riace A und Riace B

Es ist eine wahre Freude, durch die Ausstellung zu gehen. Teilweise ist die Inszenierung hochdramatisch: Zwei Bronzekrieger vor einer tiefdunklen Wand werden wie auf einer Bühne von Scheinwerfern ausgeleuchtet. Mein erster Gedanke war "So müssen Götter ausgesehen haben!" Das macht mitunter Gänsehaut. In einem Mittelalterraum findet sich ein sattes Ultramarinblau an den Wänden, auf dem eine goldene Schrift steht. Das ist gewagt, aber es funktioniert. Die Exklusivität, die Wertigkeit, die hohe Kunstfertigkeit der Skulpturen kommt aufs trefflichste zur Geltung. Nicht nur der Rekonstruktionen, sondern genauso auch der Originale. Eine Augen- und Sinneslust - so macht Antike Spaß!

Und warum heisst die Ausstellung "Golden Edition"?

Aphrodite mit dem Erosknaben (sogenannte Bikini-Venus)

Weil das Thema Vergoldung neu in den Blick gekommen ist. Vergoldung nicht nur der antiken Skulpturen, sondern auch der Stücke aus Mittelalter, Renaissance und Barock. Es sind auch einige hochkarätige Leihgaben in der Ausstellung, die dieses Thema veranschaulichen. So die sogenannte Bikinivenus aus dem archäologischen Museum in Neapel. Bei diesem Stück hat sich die originale Vergoldung im Bereich der Brüste und der Scham erhalten.

Was löst das alles beim Betrachten aus?

Liebieghaus Frankfurt: Bunte Götter

Während man durch die Ausstellung geht, also durch das gesamte Liebieghaus, verändert sich der Blick, die Wahrnehmung. Man beginnt, überall Farben neu zu sehen und zu entdecken. Wie ein Schlüssel zur Wahrnehmung, alles beginnt zu strahlen und sich zu verändern. Wahrhaft erstaunlich. Als Hilfe dazu gibt es ein sehr breites Vermittlungsprogramm. Eine Führung zu machen ist zu empfehlen, aber auch der Katalog sehr gut gemacht und es gibt eine kostenfreie App, mit der man sich durch die Ausstellung bewegen kann.

Weitere Informationen

Bunte Götter – Golden Edition

Die Farben der Antike
Liebieghaus Frankfurt
bis 30. August 2020

Ende der weiteren Informationen
Kolorierte Skulpturen aus der Ausstellung "Bunte Götter - Golden Edition" im Frankfurter Liebieghaus

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 30.1.2020, 7:30 Uhr

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