Ob Wedekinds Lulu oder die zahlreichen Salomé-Darstellungen in Literatur und Kunst: die Frauen-Bilder des Fin de Siècle durchdringen unser Bewusstsein und prägen bis heute die Populärkultur. Theresia Enzensberger, Katharina Adler und Thomas Meinecke haben sich für das Literaturhaus Villa Clementine in Wiesbaden davon zu eigenen Texten inspirieren lassen.

Elsa von Freytag-Loringhoven steht im Mittelpunkt der Erzählung „Dada-Genie, Mutter der Postmoderne“ von Theresia Enzensberger. Wer war diese Frau? Bekannt ist sie als „Dada-Muse“ und „Aktmodell“. Theresia Enzensberger rückt die Stereotypen zurecht und weist Freytag-Loringhoven den Rang zu, der ihr tatsächlich zukommt: den einer Dichterin, Performance-Künstlerin und einer „Vormutter des Punk“.

Theresia Enzensberger, geboren 1986 in München, studierte Film und Filmwissenschaft in New York und schreibt als freie Journalistin unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder ZEIT Online. Ihr Debütroman „Blaupause“ erschien 2017. Darin erzählt sie die Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau am Bauhaus. Auf eine männerdominierte Gesellschaft wirft sie ihren feministischen Blick und ermöglicht es dabei vor allem den Frauenfiguren, selbst zu Wort zu kommen. Ihre Erzählung über Elsa von Freytag-Loringhoven (geboren 1874 in Swinemünde, gestorben 1927 in Paris) entstand als Auftragsarbeit des Literaturhauses Villa Clementine zum Wiesbadener Jugendstiljahr. Gemeinsam mit Katharina Adler und Thomas Meinecke war Theresia Enzensberger aufgefordert, sich mit dem Frauenbild des Jugendstils, wie es zum Beispiel in Frank Wedekinds Figur der „Lulu“ erscheint, auseinanderzusetzen. Lulu gilt als Prototyp des männerverschlingenden Vamps, einer Femme fatale, die in ihrer vermeintlich unschuldigen Anmut den männlichen Eros reizt.

Sie hören den Mitschnitt einer öffentlichen Veranstaltung vom 2. Februar: Theresia Enzensberger liest im Rahmen der Veranstaltung „Im Kleide der Lulu? Vom weiblichen Dämon zur selbstbestimmten Frau der Gegenwart“, es moderiert Beate Tröger.

Sendung: hr2-kultur, Spätlese, 17.03.2020, 22:00 Uhr

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