Elsa von Freytag-Loringhoven steht im Mittelpunkt eines Textes von Theresia Enzensberger. Wer war diese Frau, die 1874 in Swinemünde geboren wurde und 1927 in Paris starb? Bekannt ist sie als „Dada-Muse“ und „Aktmodell“. Theresia Enzensberger rückt die Stereotypen zurecht und weist Freytag-Loringhoven den Rang zu, der ihr tatsächlich zukommt: den einer Dichterin, Performance-Künstlerin und einer „Vormutter des Punk“.

Ob Wedekinds Lulu oder die zahlreichen Salomé-Darstellungen in Literatur und Kunst: die Frauen-Bilder des Fin de Siècle durchdringen unser Bewusstsein und prägen bis heute die Populärkultur. Lulu gilt dabei als Prototyp des männerverschlingenden Vamps, einer Femme fatale, die in ihrer vermeintlich unschuldigen Anmut den männlichen Eros reizt. Im Rahmen des Wiesbadener Jugendstiljahrs hat das Literaturhaus Villa Clementine die Schriftsteller*innen Theresia Enzensberger, Katharina Adler und Thomas Meinecke dazu eingeladen, diese Bilder zu hinterfragen und sich von den Frauen des Jugendstils zu eigenen Texten inspirieren zu lassen.

Theresia Enzensberger, geboren 1986 in München, studierte Film und Filmwissenschaft in New York und schreibt als freie Journalistin unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder ZEIT Online. Ihr Debütroman „Blaupause“ erschien 2017. Darin erzählt sie die Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau am Bauhaus. Auf eine männerdominierte Gesellschaft wirft sie ihren feministischen Blick und ermöglicht es dabei vor allem den Frauenfiguren, selbst zu Wort zu kommen. Ihre Erzählung über Elsa von Freytag-Loringhoven entstand als Auftragsarbeit des Literaturhauses Villa Clementine zum Wiesbadener Jugendstiljahr.

Sie hören den Mitschnitt einer öffentlichen Veranstaltung vom 2. Februar: Theresia Enzensberger liest im Rahmen der Veranstaltung „Im Kleide der Lulu? Vom weiblichen Dämon zur selbstbestimmten Frau der Gegenwart“ im Wiesbadener Literaturhaus Villa Clementine.

Sendung: hr2-kultur, Spätlese, 17.03.2020, 22:00 Uhr

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