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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Nicht der Himmel" im studioNaxos

Bild aus der Inszenierung "Nicht der Himmel" studioNaxos

Eine Performance ohne Worte: Im studioNaxos kommen Lebewesen zu Wort, von denen man sonst nicht so viel mitbekommt. Was die Pflanzen mit einem nackten Mann zu tun haben, weiß unser Kritiker.

Eine Installation und Performance der besonderen Art, vor allem der stillen Art erwartet die Besucher der Naxoshalle. Während der Aufführung wurde kein Wort gesprochen. Dafür gab es Stille und Geräusche. Die Aufmerksamkeit und die Sinne der Besucher waren geschärft, aber auch irritiert: Wann geht es los? Passiert was? Kommt gleich einer und erklärt was? Doch es kam keiner.

Stattdessen haben alle aufmerksam in Augenschein genommen, was da war: Fünf Pflanzen, großblättrige Philodendren. Auf dem Boden lagen Kabel, Lautsprecher, kleine Geräte, vielleicht Verstärker. An zwei Mischpulten am Rande des Raumes saßen zwei Menschen, die gelegentlich an Reglern drehten. An den Blättern hingen Elektroden, solche wie am menschlichen Körper, wenn ein EKG gemacht wird, um die Herzschläge zu messen. Doch hier kamen die Klänge von den Pflanzen.

Adam und die Vertreibung aus dem Paradies

Und in der Mitte des Raumes saß ein Mann auf einem Kasten, unbekleidet. Ein Adam, der nach einer Weile aufstand und in Zeitlupe Bewegungen ausführte. Die Klänge änderten sich fortlaufend, das Licht ebenfalls. Es wurde wärmer, heller, der Wechsel von Tag und Nacht wurde simuliert. Die Besucher waren in Bewegung, um alles zu betrachten.

Wer näher an die jeweiligen Pflanzen herantrat und die Ohren spitzte, konnte hören, wie tröpfelndes Plätschern zu einem Singen oder Klagen wurde. Die Blumen klangen als sprächen sie.

Und alle überlegten, was diese Klanginstallation beziehungsweise Perfomance bedeuten sollte. Aus den Elementen Natur, Ursprung, Adam und die Vertreibung aus dem Paradies sowie der Erwärmung des Raumes, Stichwort Klimawandel, ergab sich schnell der Grundgedanke.

Eine besondere, konzentrierte Stimmung

Lange lebte die Menschheit im Paradies, auf diesem Planeten mit gemäßigtem Klima, doch mit einer drohenden Klimakatastrophe ist das irgendwann vorbei.

Im Begleitheft wurden prominente Wissenschaftler zitiert, die darauf hinweisen, dass perspektivisch ein Bestehen im fortschreitenden Klimawandel nur aussichtsreich ist, wenn human beziehungsweise nicht-humane Netzwerke gebildet werden. Kooperation statt Ausbeutung der Natur: die Elektroden an den Blättern, die Geräusche, die verstärkt zu hören waren, haben das sehr gut versinnbildlicht.

Der dunkle Raum-Kubus mit diesen von der Decke baumelnden "sprechenden" Pflanzen bot dazu eine dreiviertel Stunde lang eine besondere, konzentrierte Stimmung.

Weitere Informationen

"Nicht der Himmel"

Die nächsten Termine sind bereits ausverkauft. Am 24. Juli gibt es eine Zusatzaufführung und weitere Termine wird es im Oktober geben.
studioNaxos, Waldschmidtstraße 19
Mehr Informationen unter studionaxos.de

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Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 17.7.20, 7:30 Uhr

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