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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Niklas Maak: "Es ist nicht so, dass Frankfurt einen Rem Koolhaas bekommt"

Konzept-Vorschlag Städtische Bühnen Groß und Partner

Stararchitekt Rem Koolhaas habe einen Entwurf für die Städtischen Bühnen präsentiert, kündigte das "Journal Frankfurt" am 27.2. auf seiner Internetseite an. FAZ-Architekturkritiker Niklas Maak bezweifelt das im Gespräch mit hr2-kultur. Unterdessen hat sein Büro OMA bestätigt, dass "es voll und ganz hinter dem Design steht".

Herr Maak, wie gefallen Ihnen die Entwürfe?

Niklas Maak: Die Entwürfe sind erst einmal eine Überraschung für mich. Sie sehen aus wie luxuriöse Yachten und vom Main aus wie Felsvorsprünge. Aus anderen Perspektiven sieht das aus, als hätte jemand mit dem Messer zu lange an einem Käsebuffet herumgespielt und hätte aus dem Käse immer weiter Ecken rausgeschnitten. Das Seltsamste an dem Entwurf ist, dass er kaum aussieht wie ein Rem Koolhaas.

Schnitt durch das Gebäude: Entwurf für die Städtischen Bühnen von "Groß & Partner" am Osthafen

Im Journal Frankfurt ist zu lesen, dass es sich um einen Entwurf von Rem Koolhaas für Frankfurt handelt. Wenn man die Entwürfe anschaut, wundert man sich. Tatsächlich ist es so, dass Rem Koolhaas, anders als der Artikel behauptet und anders als das auf der Webseite der Grundstücksentwicklerfirma "Groß & Partner" steht, dass es sich dabei gar nicht um einen Entwurf von Rem Koolhaas handelt.

Das Architekturbüro OMA ist eines der größten Architekturbüros Europas, das vor 40 Jahren unter anderem von Rem Koolhaas mitgegründet wurde. Das ist eine Fabrik in der Koolhaas einer der bekanntesten Architekten ist, aber wo es auch noch mehrere Partner gibt, die sehr unterschiedliche Stile und Konzepte haben. Der Entwurf fand aus einer Privatinitiative einer Mitarbeiterin des Architekturbüros statt. Deswegen ist es nicht so, dass Frankfurt einen Rem Koolhaas bekommt und es ist nur eine Ideenskizze von Groß und Partner, die einen Beitrag leisten soll zur Debatte.

Kann ein Opernhaus überhaupt so flach aussehen?

Maak: Der Opernturm ist relativ geschickt integriert in die Gesamtform. Das ist eine Art, ein Theaterhaus zu gestalten, wie Rem Koolhaas das gerade in Taipeh macht. In Teilen ist der Entwurf auch an der Casa da Música orientiert, dem großen Musiksaal in Porto. In dem Fall ist der Entwurf ein Potpourri aus vielen Koolhaas-Ideen, der von einem Entwurf der Mitarbeiterin dieses Büros kommt.

Ost-Ansicht bei Nacht des Entwurfs für die Städtischen Bühnen von "Groß & Partner" am Osthafen

Man kann das so bauen. Die Frage ist nur, ob das so sinnvoll wäre, in Frankfurt eine tatsächlich auf Spektakel ausgerichtete Architektur zu errichten. Man muss fragen: Ist das eine Architektur, die stadteräumlich sinnvoll ist? Die der Stadt Frankfurt einen neuen sozialen Raum gibt? Oder ist das nicht eher eine für Tourismusprospekte designte Architektur, die von Weitem spektulär aussieht, die aber im Detail vollkommen maßstabslos am Fluss steht.

Ich sehe diesen Entwurf eher kritisch. Wenn ein Theater in der Stadt einen Ort markieren soll, wo man sich auch aufhält, wo auch die Stadt zur Bühne wird – das ist ja das Schöne bei vielen aktuellen Theaterbauten, dass die eben nicht nur eine Bühne ummanteln, sondern dass sie die Stadt auch draußen verwandeln, in einen Raum, in dem man anders miteinander umgeht, den man auch mal als Freiluftbühne nutzen kann. Das sehe ich in dieser Form nicht so.

Ist jetzt das Rennen offen für weitere Entwürfe?

Maak: Es ist immer gut, wenn Leute mit Vorschlägen kommen, auch wenn man sich an ihnen reibt. Natürlich ist die wichtige Frage, die man diskutieren kann: Sollen wir beide Häuser vom Willy-Brandt-Platz entfernen? Und das klassische Kulturzentrum anderen Dingen überlassen, die in der Stadt passieren? Oder sollen wir darauf beharren, dass Kultur an mehreren Orten stattfindet?

Ich denke, der Entwurf zeigt eindeutig, wie eine eher auf das Event, auf spektakuläre Außeneffekte gerichtete Theaterbau-Politik aussehen könnte. Das kann man kritisieren. Aber zunächst ist es auch toll, dass es da ist. Man kann dann aber auch zu anderen Ansichten kommen als Groß und Partner es mit diesem Vorschlag intendiert haben. Aber ich glaube, dass alles in dieser Debatte hilft und gerade die Produktion von Bildern sehr wichtig ist.

Anmerkung der Redaktion:
Am 28. Februar hat das Journal Frankfurt eine
Pressemitteilung zu diesen Anwürfen veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: "Entgegen einiger Medienberichte bestätigte OMA heute, dass das Büro von Rem Koolhaas hinter dem Entwurf steht."

Das Gespräch führte hr2-Moderator Alf Haubitz.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 27.2.20, 16:15 Uhr

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