Stephen Hawking
Stephen Hawking (1942-2018) Bild © picture-alliance/dpa

Sein brillanter Geist flog durch Zeit und Raum, seine Erkenntnisse waren wegweisend für die Physik. Nun ist einer der größten Wissenschaftler unserer Zeit, Stephen Hawking, gestorben.

Audiobeitrag
Stephen Hawking (1942-2018)

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Als ich 21 war, wurde mir gesagt, dass ich in zwei bis drei Jahren sterben werde..." Nachruf von Jens-Peter Marquardt, ARD London

Ende des Audiobeitrags

Der Physikprofessor sei mit 76 Jahren gestorben, teilte ein Sprecher der Familie am Mittwoch mit. Er war für seine bahnbrechenden Erkenntnisse zu Schwarzen Löchern und zur Relativitätstheorie bekannt. Sein internationaler Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit" machte ihn zu einem der größten Stars der Wissenschaft nach Albert Einstein. Seine Kinder Lucy, Robert und Tim teilten mit, ihr Vater sei "ein großartiger Wissenschaftler und ausgezeichneter Mann" gewesen. Hawkings Arbeit und Vermächtnis würden noch viele Jahre überdauern.

Eddie Redmayne als Stephen Hawking in einer Szene des Kinofilms "Die Entdeckung der Unendlichkeit"
Eddie Redmayne als Stephen Hawking in einer Szene des Kinofilms "Die Entdeckung der Unendlichkeit" Bild © picture-alliance/dpa

Mit 21 Jahren war bei ihm die Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) diagnostiziert worden. Zur steten Verwunderung seiner Ärzte lebte er trotz der tödlichen Erkrankung noch mehr als 50 Jahre. Hawking saß seit Jahren im Rollstuhl und verständigte sich mit einem Sprachcomputer, der ihm eine monotone roboterhafte Stimme gab. Sein wissenschaftliches Werken setze er trotz der Einschränkung unvermindert fort. Er erschien im Fernsehen und heiratete ein zweites Mal. Der Spielfilm „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ zeigte, welch große Rolle seine erste Frau Jane in Hawkings Leben gespielt hat. Sie hat sich für ihn aufgeopfert, und sie hat die Ärzte gestoppt, die nach einer Lungenentzündung empfahlen, die lebenserhaltenden Maschinen abzustellen.

Zitat
„Meine Krankheit hat mich davon befreit, in langweilige Ausschüsse zu gehen. Dadurch hatte ich mehr Zeit zum Nachdenken und für die Forschung.“ Zitat von Stephen Hawking
Zitat Ende

Hawking war damals in Oxford und später in Cambridge ein vielversprechender Student der Mathematik und Astronomie, als die Ärzte Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, diagnostizierten. Eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, die nach und nach jeden Muskel lähmt und ihm später auch die Sprache nahm. Lange Zeit steuerte Stephen Hawking seinen Sprachcomputer über Bewegungen der Wangenmuskeln, und als auch das nicht mehr ging, über die Bewegungen der Augen. War er anfangs noch verzweifelt über seine Krankheit, so hat er am Ende die Vorzüge betont.

Stephen Hawking (1942-2018)
Stephen Hawking bei einem Ausflug in die Schwerelosigkeit. Der an den Folgen der Muskelschwäche ALS leidende Hawking erlebte 2007 das Abenteuer an Bord einer modifizierten Boeing 727. Der Wissenschaftler wirkte bei seinem Flug in der ausgepolsterten Kabine völlig gelöst und glücklich. Bild © picture-alliance/dpa

In Cambridge arbeitete er an der Großen Vereinheitlichten Theorie, die Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie und die Quantentheorie zusammenführen soll. Für Hawking war die Suche nach diesem Schlüssel fast schon eine religiöse Herausforderung: Die "Theorie von Allem" zu finden, erlaube es der Menschheit "den Geist Gottes" zu finden, sagte Hawking. Jahre später legte er denn nahe, dass eine sogenannte Weltformel vielleicht gar nicht existiere. 2001 veröffentlichte er "Das Universum in der Nussschale", ein Buch, mit dem er Lesern neueste Erkenntnisse über Konzepte wie Supergravitation, nackte Singularität und die Möglichkeit eines Universums mit elf Dimensionen erläuterte.

Zitat
„Das Schwarze Loch bildet sich nur scheinbar, es öffnet sich aber am Ende und gibt die Informationen frei, die in ihm verschwunden sind. So können wir uns der Vergangenheit sicher sein und die Zukunft vorhersagen.“ Zitat von Stephen Hawking
Zitat Ende

Hawkings Theorien über den Urknall, schwarze Löcher und die Quantenphysik wurden zu Bestsellern. Seine „Kurze Geschichte der Zeit“ wurde in 40 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Sein ganzes Leben war er auf der Suche nach der Theorie, die alles erklärt. Hawking selber hat dabei immer betont, er sei kein zweiter Einstein. Und wahrscheinlich sei er nur wegen seiner Behinderung so berühmt geworden. Trotzdem gab es kaum jemanden, der so  viel erreicht hat, das Wissen über Schwerkraft, Raum und Zeit zu vertiefen. Seine Theorien waren und sind auch umstritten, er selber korrigierte sich immer wieder einmal.

Hawking hat häufig kritisiert, wie die Menschen mit ihrem Planeten umgehen. Als Lösung für die überbevölkerte Erde bleibe am Ende nur das Ausweichen auf andere Planeten. Er warnte auch davor, dass die Entwicklung der künstlichen Intelligenz außer Kontrolle geraten und zur Gefahr für die Menschen werden könnte. Hawking war aber kein Pessimist.

Stephen Hawking (1942-2018)
An der Existenz von Außerirdischen hatte der britische Astrophysiker Stephen Hawking keinen Zweifel. Er warnte daher vor Kontaktaufnahme. Das Universum habe 100 Milliarden Galaxien mit Hunderten Millionen Sternen, in solch einem Raum sei es unwahrscheinlich, dass die Erde der einzige Planet sei, auf dem es Leben gibt. Bild © picture-alliance/dpa

Als Bestseller-Autor mit schwerer Behinderung - zeitweise konnte er einige Finger bewegen, später lediglich Muskeln in seinem Gesicht anspannen - wurde er zu einer der berühmtesten Figuren der Wissenschaft. Im Fernsehen hatte er Gastauftritte in der Zeichentrickserie "The Simpsons" und bei "Star Trek". Zu seinen Fans gehörte der U2-Gitarrist The Edge, der 2002 zu Hawkings 60. Geburtstag anwesend war. Sein Leben als junger Wissenschaftler wurde 2014 mit dem Film "Die Entdeckung der Unendlichkeit" auf die Leinwand gebracht. Eddie Redmayne bekam für die Darstellung des Wissenschaftlers einen Oscar.

Peter Altmaier, Wirtschaftsminister in der neuen Großen Koalition, nimmt Anteil am Tod des britischen Physikers Stephen Hawking. "Stephen Hawking ist nicht gestorben, sondern nur in ein Paralleluniversum entflohen", twitterte Altmaier am Mittwochmorgen auf Englisch. Der Wissenschaftler habe über Jahrzehnte Millionen Menschen "unterhalten und inspiriert", schrieb der Politiker.

Weltweit äußerten Prominente ihre Trauer über den Tod Hawkings, der am frühen Mittwochmorgen im Alter von 76 Jahren in Cambridge gestorben war. Sängerin Katy Perry etwa twitterte, sie verspüre "ein großes schwarzes Loch" in ihrem Herzen. Schauspieler Macaulay Culkin würdigte ihn als Genie und "meinen liebsten Simpsons-Charakter" - als Cartoon-Figur hatte der Physiker seit Ende der 90er Jahre mehrere Gastauftritte in der Kult-Comicserie. Einer der "Simpsons"-Produzenten, Matt Selman, bezeichnete Hawking als den "intelligentesten Stargast in der kurzen Geschichte der Simpsons".

Quellen: AP/dpa/AFP/ARD-London
Sendung: hr2-kultur, hr-Kulturfrühstück 14.3.2018, 7:45 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit