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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gespräch mit dem Intendant des Staatstheaters Wiesbaden Uwe Eric Laufenberg

Uwe Eric Laufenberg

Welche Denkanstöße kann das Theater mitnehmen für die Zeit nach Corona? Und warum brauchen wir Theater in Krisenzeiten? Ein Gespräch mit Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Staatstheaters Wiesbaden.

Geht das denn im Publikum oder auf der Bühne: Emotionen auf Abstand?

Uwe Eric Laufenberg: Wenn man im Publikum zusammen sitzt, braucht man eigentlich auch die Nähe, dass man den anderen im Publikum spürt, dass man weiß: Jetzt ist es lustig, jetzt ist man betroffen, jetzt hat man gemeinsam eine Emotion, die im besten Sinne eine kathartische ist. Und das auf Abstand zu machen, ist ein sehr merkwürdiges Ding. Und das überhaupt auf Abstand zu denken, ist das Gegenteil von Theater.

Das heißt, Theater spielt in der momentan politisch aufgeheizten Debatte eine große Rolle?

Uwe Eric Laufenberg: Ja im Moment eben nicht und das ist ja das Tragische.

Wenn man darüber spricht, dann aber eben doch.

Uwe Eric Laufenberg: Ja vielleicht. Wenn man die Diskussion darüber anfängt, dass uns das fehlt, wenn wir alles nur in einer Blickrichtung sehen. Also wenn wir alle nur auf ein Virus starren und den Schrecken, der damit verbunden ist, dann schnürt uns das irgendwann die Luft ab. Wir brauchen ja gerade die Kunst, das Theater, die Musik, um andere Lebensenergien in uns wieder freizumachen. Sonst kippen wir alle in die Depression. Das kann ja nicht im Ernst unser Lebensziel sein.

Was haben Sie in diesen Diskursen zur Diskussion gestellt?

Uwe Eric Laufenberg: Dass, wenn eine ganze Gesellschaft ausgerichtet ist auf Gehorsam, auf Bravsein, wenn eine ganze Gesellschaft runtergedeckelt wird, sodass sie nur in eine Richtung denken kann, dann muss man als Künstler seinen eigenen subjektiven Empfindungen nachgehen, um diese völlig eingefahrene Richtung auch wieder in eine neue Welle einzubringen.

Es kann nicht sein, dass unser Leben völlig gleichförmig in eine Richtung geht. Das man das 40 Tage lang durchhält, das kann man vielleicht fast allen noch vermitteln. Aber danach? Wir leben doch als Individuen. Und leben doch gerade als Individuen, die sich mit anderen verbinden müssen, damit wir sowas wie Menschheit sind. Wir können doch nicht auf die Dauer auf Abstand gehalten werden. Das ist etwas, das wir gar nicht eingeübt haben. Und ich weiß nicht, ob wir das einüben sollten. Ich weiß auch nicht, ob wir uns an ein Leben gewöhnen sollten, was in den nächsten paar Jahren so läuft, dass wir unsere Gesichter verhüllen. Das kann ich mir alles so nicht vorstellen.

Deswegen ist bei mir der Entschluss gereift: Ich muss mal versuchen mich als subjektiver Künstler zu ordnen, meine Emotionen in den Griff zu kriegen, meine Gedanken mit meinen Emotionen zu verbinden. Und das ist eigentlich das Normale, was man immer macht. Nur in Zeiten wie diesen, finden manche, dass auch das schon nicht stattfinden darf.

Kann man nach Corona mit mehr Solidarität in der Theaterlandschaft rechnen?

Uwe Eric Laufenberg: Na das war ja jetzt ein Notfall in dem man sagen kann, im Moment scheinen die städtischen Bühnen und die staatlichen Bühnen abgesichert. Aber wir sehen ja schon in den städtischen Bühnen, dass da jetzt auch Kurzarbeit aufgekommen ist, weil die Städte, die Kommunen das zum Teil schon gar nicht mehr tragen können.

Jetzt sind kurzfristig die freien Künstler sehr viel mehr unter Druck gekommen, weil sie plötzlich gar keine Lebensmöglichkeiten mehr haben, so wie Restaurants oder Kellner. Wir hatte jetzt das Glück im Schatten dieser Krise etwas stillzuhalten. Aber das, was die Krise jetzt ist, als Existenzkrise für die Kunst in dieser Epidemie, die besteht für uns alle zusammen.

Auch dass vielleicht die freien Künstler, die Künstler die fest engagiert sind, sich in Zukunft zusammen tun und sagen: Wie wertvoll ist uns denn unsere Kunst? Und wie weit müssen wir das absichern, damit uns die Freiheitsrechte so weit wie möglich nie wieder eingeschränkt werden. Das ist ein Projekt, das kann uns sehr eng verbinden.

Wie kann denn eine gerechtere Theaterlandschaft aussehen?

Uwe Eric Laufenberg: Die Theaterlandschaft kann nur so gerecht sein, wie die Gesellschaft gerecht ist. Ich finde nicht, dass die Theaterlandschaft so ungerecht ist. Weil auch viele Leute, die frei arbeiten, Opernsänger, Schauspieler, Regisseure, die haben das ja zum Teil selber beschlossen. Das heißt, das ist eine Lebensform, dass sie sich nicht gebunden fühlen, dass sie ihr Leben selber gestalten. Das sind ja alles sehr individuelle Lebensentscheidungen. Und da würde ich nicht von Ungerechtigkeit sprechen.

Die Fragen stellte Daniella Baumeister.

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 6.5.2020, 17:10 Uhr

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