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Bild © Sammlung Siegfried Sander, Hamburg, Horst Ziegenfusz

"Es ist die Schwäche des Gedächtnisses, die den Menschen Stärke verleiht", sagte Bertolt Brecht. Das Historische Museum in Frankfurt will mit seiner Ausstellung "Vergessen - warum wir nicht alles erinnern" zeigen, wie Geschichte in den Köpfen bleibt, was verdrängt und was aufgearbeitet wird. hr2-kultur nimmt das zum Anlass, um über verschiedene Facetten des Vergessens und des Erinnerns zu sprechen.

Verdrängen, Verleugnen, Vergessen - was bleibt in Erinnerung?

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Christian Boltanski, Sanssouci

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Unterschiedliche Dimensionen von Verdrängen und Vergessen existieren gleichzeitig" - ein Rundgang durch die Ausstellung

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"Wo habe ich nur mein Auto geparkt?!" Das fragt sich mancher, der morgens losfahren will. Und in der Regel kann sich jeder auch daran gut erinnern. Nicht so toll wäre es, wenn man sich an jeden Platz erinnern könnte, an dem Sie Ihr Auto jemals geparkt haben. Da lohnt es sich zu vergessen. In Bezug auf die persönliche Geschichte erinnern wir uns an manche Dinge gerne, weil sie uns freuen. Andere dagegen vergessen oder verdrängen wir. Um diesen Aspekt dreht sich eine Ausstellung im Historischen Museum in Frankfurt. "Vergessen – warum wir nicht alles erinnern".

Weitere Informationen

Die Ausstellung im Historischen Museum

Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern
Frankfurt, Historisches Museum
vom 7. März 2019 - 14. Juli 2019
Die Ausstellungsbroschüre [PDF - 372kb]

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Wer hat das getan? Ich? Daran erinnere ich mich nicht!

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Aleida Assmann

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Das Erinnern ist ganz wesentlich - es hat entscheidenden Anteil daran, dass sich der Mensch als moralisches Wesen verstehen kann." Aleida Assmann

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Die Kulturwissenschaftlerin und Friedenspreisträgerin Aleida Assmann hat einen Aufsatz für den Katalog geschrieben, der die Ausstellung im Historischen Museum begleitet: "Das habe ich getan, sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich gibt das Gedächtnis nach", zitiert sie darin Friedrich Nietzsche. Wie wichtig sind Gefühle, wenn es um das Erinnern geht?

Wie Kunst hilft, dass wir uns an Themen erinnern können

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Zum Artikel Kurator Kurt Wettengl über "Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern“ (Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt)

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Kurt Wettengl ist der Kurator der Ausstellung zum Thema "Vergessen" - und zeigt dieses aus vielen Perspektiven: von der Angst vor dem Vergessen über die Leugnung der Vergangenheit bis zum Nicht-Vergessen-Können. Arbeiten von Künstlern verbinden die thematischen Schwerpunkte. Speziell für die Ausstellung hat der Künstler Mark Dion zum Beispiel vergessene Objekte des Museums zu seinem Thema gemacht - und auch das Museum selbst wird zum Thema, denn auch hier wird vergessen und erinnert.

Die eigene Lebensgeschichte verändert sich, objektiv und subjektiv

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Tilmann Habermas

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Anhand von Objekten können wir unsere Erinnerungen immer neu sortieren." Prof. Tilmann Habermas über die Rolle von Erinnern und Vergessen

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Prof. Tilman Habermas leitet an der Frankfurter Goethe-Universität den Arbeitsbereich Psychoanalyse und arbeitet u.a. zu der Fragestellung, wie unser Selbstbild entsteht und welche Rolle dabei Erinnern und Vergessen spielen. Sein Aufsatz im Begleitbuch zur Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt ist überschrieben mit "Wir erinnern, wer wir sind". Dabei geht es in diesem Fall weniger um ein "kollektives Wir" als vielmehr um jede und jeden einzelnen von uns. Auf welchen Ebenen findet dieses subjektive Erinnern statt?

Warum das Schweigen der Opfer eine Art Schutz darstellt

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Kurt Grünberg Sigmund-Freud-Institut

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wie werden traumatische Erfahrungen über Generationen hinweg vermittelt und aufgearbeitet? Fragen an Kurt Grünberg

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Kurt Grünberg ist psychologischer Psychotherapeut in Frankfurt und wissenschaftlicher Mitarbeiteram Sigmund-Freud-Institut, dem Forschungsinstitut für Psychoanalyse und ihre Anwendungen. In der Ausstellung im Historischen Museum konzentriert sich der Themen-Komplex "Die Vergangenheit verleugnen" auf das Verdrängen der Schuld an den Gräueltaten und der eigenen Beteiligung am Nationalsozialismus im Deutschland der 1950er und 60er Jahre: Nationales Selbstmitleid, der Wiederaufbau der zerstörten Städte und das westdeutsche "Wirtschaftswunder" förderten die Haltung des Verdrängens und Verleugnens bei den nicht verfolgten Deutschen. Vor allem die daran beteiligten psychischen Prozesse stehen hierbei im Vordergrund. Kurt Grünberg erforscht die psychosozialen Spätfolgen der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Er hat einen Aufsatz im Begleitbuch zu der Ausstellung "Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern“  im Historischen Museum Frankfurt geschrieben. Darin geht es um das Forschungsprojekt "Szenisches Erinnern der Shoah", an dem er gemeinsam mit anderen arbeiten.

Vergessen als Krankheit - bei der Demenz sind Forscher ratlos

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Zum Artikel Oberarzt David Prvulovic über Demenz, "die Hölle des Vergessens"

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Die Demenz gilt als die "Hölle des Vergessens": Sein Leben langsam vergessen, seine Fähigkeiten verlieren, im Endstadium die völlige Hilflosigkeit: Davor fürchten sich wohl die meisten, im Alter an Demenz zu erkranken. Im Rahmen unserer Gespräche über das Vergessen widmen wir uns dieser Krankheit und sprechen mit David Prvulovic, dem Leiter der Gedächtnissprechstunde im Universitätsklinikum Frankfurt. Woran erkenne ich die Krankheit, welche Risikofaktoren gibt es und was kann ich dagegen tun?

Die Themeninsel "Angst vor dem Vergessen" in der Ausstellung im Historischen Museum befasst sich mit Demenz. Der in Frankfurt praktizierende Arzt Alois Alzheimer beschrieb die Alzheimer-Demenz erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts. Trotz intensiver Forschungen sind bis heute noch keine medikamentösen Heilungsmöglichkeiten bekannt. Die Ausstellung hebt psychosoziale Behandlungskonzepte hervor, die die Persönlichkeit demenziell veränderter Menschen ins Zentrum stellen. Hilfsmittel wie der Roboter Paro gehen auf diesen Ansatz zurück und können dabei helfen, die Kommunikation zwischen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen unterstützen.

"Vergessen hat immer ein Motiv, geht immer mit Emotionen einher"

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Zum Artikel Der Leiter des medizinischen Schwerpunkts und Leiter der Ambulanz am Sigmund-Freud-Institut, Heinz Weiß, über den Fluch des Nicht-Vergessen-Könnens

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Heinz Weiß, Leiter des medizinischen Schwerpunkts und Leiter der Ambulanz am Sigmund-Freud-Institut. Das Gespräch wird sich um Formen des Vergessens, insbesondere um das "Nicht Vergessen Können" drehen: Welche Formen gibt es? Über schreckliche Formen des Vergessens, wie die Demenz haben wir in dieser Woche schon gesprochen: Gibt es auch ein Vergessen, dass gut und notwendig ist für den Menschen? Muss der Mensch auch vergessen können? Kann man sich vornehmen etwas zu vergessen? Was ist der Unterschied zwischen verdrängen und vergessen? Es gibt Menschen, die gar nichts vergessen können: Welche Auswirkungen hat das? Erinnern Menschen, die nicht vergessen können, anders als solche, die das können?

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 4.3.2019 bis 8.3.2019, 8:45 Uhr

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