Maximilian Schell

Mit dem Namen Maximilian Schell verbindet sich einer der wenigen deutschsprachigen Schauspieler, die auch in Hollywood zu Ruhm und Ehre kamen, sprich einen Oscar gewannen. Seinen Nachlass hat er dem Deutschen Filminstitut und Filmmuseum in Frankfurt überlassen. Dort ist jetzt eine große Ausstellung zu Maximilian Schell zu sehen.

Der Mann hat unfassbar gut ausgesehen! Ob als junger Mann in den späten Fünfzigern, frühen Sechzigern, wo er an der Seite von US-Stars wie Marlon Brando oder Montgomery Clift diese spielend ausstach oder dann später in Rollen als älterer Mann. In all diesen Filmrollen kann man Maximilian Schell schon gleich im Foyer vor den Ausstellungsräumen sehen. Dort hat man einen gläsernen Kubus aufgebaut, auf den Filmausschnitte projiziert werden. So lässt sich das ganze Spektrum dieses Schauspielers sehen. Er hat alles gespielt: den Wehrmachtssoldaten und den jüdischen Emigranten, den Liebenden und den Charmeur, den aufbegehrenden Sohn und den Vater, den russischen Zaren und den Revolutionär Lenin. Als Lenin sah er allerdings nicht so unverschämt gut aus!

Trägt die Person Maximilian Schell eine ganze Ausstellung?

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Die Ausstellung "Maximilian Schell" läuft noch bis 19. April 2020 im Deutschen Filmmuseum Frankfurt.

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Oh ja, weil er eben nicht nur Schauspieler war! Man kann Maximilian Schell schon einen Universalkünstler nennen. Er kam zwar vom Theater, wurde 1930 in Wien in eine Theaterfamilie hineingeboren, der Vater war Dramatiker, die Mutter Schauspielerin, seine ältere und berühmte Schwester Maria wurde auch sehr bekannt. Die Familie emigrierte nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland in die Schweiz, nach Zürich, und dort entwickelte Maximilian neben dem Theater viele Interessen, studierte neben Theaterwissenschaft Philosophie, Kunstgeschichte sowie am Konservatorium Klavier und spielte Fußball beim Grasshopper Club Zürich. Darum sehen wir in der Frankfurter Ausstellung auch den Fan-Schal der Schweizer Mannschaft, der immer im Arbeitszimmer bereit lag. Und  diese Interessen, diese Begabungen hat er nie aufgegeben.

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Wir lernen in der Frankfurter Ausstellung nicht nur den Hollywoodschauspieler kennen, sondern auch den Regisseur für die Bühne, für das Theater, den Shakespeare-Übersetzer, den Drehbuchautor, Zeichner, den Sammler von Autographen, den Freund von berühmten Zeitgenossen wie Friedrich Dürrenmatt, Marlene Dietrich, Spencer Tracy, dem er ja den Oscar wegschnappte für den Film "Das Urteil von Nürnberg". Wir erleben den Bruder, der seiner ebenso berühmten Schwester einen berührenden Film gewidmet hat sowie den kunstsinnigen Sammler mit Vorliebe für die abstrakte Moderne und das Bauhaus. Maximilian Schell war also ein ebenso umtriebiger wie vielseitiger Mensch. In seinem Leben spiegelt sich nicht nur die glanzvolle Karriere eines berühmten Schauspielers. Die Ausstellung blättert anhand seiner Biografie eigentlich die ganze Kulturgeschichte des vergangenen Jahrhunderts auf.

Hat Sie etwas besonders überrascht oder beeindruckt?

Sehr spannend fand ich, den Theatermann Maximilian Schell zu entdecken, zum Beispiel seine besondere Geschichte mit Shakespeares Hamlet. Den hat er 1961 zum ersten Mal gespielt in einer Fernsehadaption, dann 1963 in Hamburg unter dem legendären Gustav Gründgens und schließlich im Protestjahr 1968 in einer heiß diskutierten Aufführung in München. Da hat Schell selbst Regie geführt und den Hamlet neu übersetzt. Im Filmmuseum kann man nicht nur Ausschnitte sehen, sondern auch die Diskussionen über die Inszenierung  verfolgen, eine Inszenierung, in der – wie  Maximilian Schell damals sagte – der Vietnamkrieg spürbar werden sollte. Klasse, wie er in einem Interview verteidigt, warum er das Schlegelsche "Sein oder Nicht sein" verändert hat zu "Zu leben oder nicht zu leben – darum geht’s!"

Gibt es ein Highlight, etwas, worauf Sie besonders aufmerksam machen würden?

Unbedingt sollte man sich ein Weilchen in dem eigens abgetrennten Marlene-Raum aufhalten, ein Kubus mit weißen Wänden, in der Mitte eine Marlene-Dietrich-Puzzle, ein Requisit des berühmten Dokumentarfilms über Marlene Dietrich. Die Dreharbeiten waren ein Desaster. Über sechs Tage war Maximilian Schell in der Pariser Wohnung der deutschen Diva. Er durfte die damals über 80 jährige nicht filmen, nur Tonaufnahmen machen. Trotzdem ist daraus ein sogar oscarnominierter Film entstanden. Wie das kann man im Filmmuseum nachvollziehen. Das Tolle aber ist, wir hören in diesem Raum die ganze Zeit die Stimme von Marlene. Im Nachlass fanden sich nämlich 14 Stunden, bisher noch nie veröffentlichte Tonbänder von den ja eigentlich gescheiterten Interviews. Zu großen Teilen sollte das wie man mir im Filmmuseum sagte auch besser unveröffentlicht bleiben. 14 Minuten davon aber sind im Filmmuseum zu hören. Und diese Zeit sollte man sich nehmen

Fazit: Muss man ein Maxilian-Schell-Fan sein, um diese Ausstellung zu besuchen?

Ich war es vorher auch nicht, aber ich bin es jetzt. Es ist eine spannende Ausstellung, man sollte sich Zeit nehmen dafür. Übrigens wie  immer begleitet von einer Filmreihe und einem opulenten, sehr schön gestalteten Katalog mit vielen Fotos, Zeichnungen und Beiträgen zu Leben und  Werk dieses Universalkünstlers Maximilian Schell.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 11.12. 2019, 7.30 Uhr

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