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Szene aus "Und es schmilzt" am Schauspiel Frankfurt

Der Debütroman der belgischen Schriftstellerin Lize Spit war ein Jahr lang auf Platz eins der belgischen Bestsellerliste. Die Regisseurin Marlene Anna Schäfer hat aus der Romanvorlage ein Bühnenstück gemacht. Ist die Adaption geglückt?

Eva bekommt eine Einladung von einem alten Schulfreund, Pim, zu einem Fest in ihrem Heimatort Bovenmeer. Wieso sie dazu einen riesigen Eisblock in ihren Kofferraum hievt, versteht man nicht. Aber das ist anfangs auch nicht so wichtig. Denn direkt werden Rückblenden in ihre Jugend gezeigt.

Da ist ihre Familie und ihre besten Freunde Pim und Laurens. Zuhause läuft es schlecht, denn beide Eltern sind Alkoholiker und selbstmordgefährdet. Der Vater zeigt Eva eine Schlinge, an der er sich eines Tages aufhängen will. Eva flieht immer wieder aus diesem Zuhause.

Coming-of-Age Geschichte, die entgleist

Die Jungs, mit denen sie Zeit verbringt, stecken voll in der Pubertät, erkunden ihre Sexualität und schaukeln sich gegenseitig hoch. Es beginnt ein Spiel, in dem sie Mädels in Scheunen locken und sie ein schier unlösbares Rätsel, das sich Eva ausgedacht hat, lösen lassen. Für jede Frage, die es zum Lösen braucht, müssen die Mädchen ein Kleidungsstück ausziehen.

Anfangs ist das noch ganz witzig. Pubertierende erkunden ihre Körper, im Publikum wird verhalten gekichert. Doch immer wieder gibt es Situationen, die so langsam anfangen zu kippen – und eines Tages entgleist das Spiel und es kommt zu einer brutalen Vergewaltigung.

Die Entgleisung bleibt abstrakt

Das Buch ist an dieser Stelle sehr schonungslos und entwickelt einen so starken Sog, dass man als Leser zum Zuschauen gezwungen wird. Doch was im Buch über Seiten passiert, entgleist auf der Bühne in kurzer Zeit. Es wird nichts explizit dargestellt. Das heißt aber nicht, dass es weniger brutal wirkt. Die Darstellerinnen und Darsteller geben die Szene nur wörtlich wieder – also sie lesen den Text.

Und sie positionieren sich um Eva herum. Sie schauen auf sie herab, während sie ihr Schlimmes antun und wirken völlig teilnahmslos und unempathisch. Ihre Eltern stehen auch daneben. Und dieses Bild geht einem als Zuschauer durch und durch.

Schlanke Inszenierung

Friederike Ott spielt die Eva. Das macht sie mal wunderbar naiv und mal tun sich Abgründe auf, zum Beispiel wenn ihr Vater, gespielt von André Meyer, ihr die Schlinge zeigt.

Die Regisseurin Marlene Anna Schäfer hat das Buch stark gekürzt und aus dem 500-seitigen Roman von Lize Spit eine Inszenierung von gut anderthalb Stunden gemacht. Dadurch gehen natürlich einige Nuancen und Handlungsstränge verloren. Das macht es an manchen wenigen Stellen auch schwer, gewisse Reaktionen nachzuvollziehen. Überzeugt aber auch in der Kürze. Eine beklemmende Inszenierung, die mit starken Bildern arbeitet.

Weitere Informationen

Und es schmilzt

Schauspiel Frankfurt
Neue Mainzer Straße 17
Weitere Aufführungen: 30.11., 1.12., 9.12.2019
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Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 16.11.2019, 8:30 Uhr

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