Vincent van Gogh

"Making Van Gogh" ist ein Publikumsmagnet. Bisher kamen mehr als eine Viertelmillion Besucherinnen und Besucher ins Städel Frankfurt. Aber sind solche Blockbuster-Ausstellungen überhaupt noch zeitgemäß?

Besonders die Bilder, die die Kunst von Van Gogh veranschaulichen, konnte ich gar nicht in Ruhe anschauen, weil immer riesen Trauben von Menschen davorstanden. Da war es von Vorteil, dass ich mich vorher informieren konnte, wie die Ausstellung aufgebaut ist und ich wusste, auf welche Werke es ankommt. Dafür bietet das Städel ein gutes Digitorial an.

Das Städel hat eigentlich alles richtig gemacht. Angefangen damit, dass von vornherein die größeren unterirdischen Räume in der Gartenhalle genutzt wurden. Um die Besucherströme einigermaßen zu lenken, wurden Zeitfenster angeboten, die man vorher buchen konnte.

Dennoch gab es Menschen, die sich draußen an den Kassen in lange Schlangen anstellen mussten, auch wenn es geregnet hat. Weil eben auch nur maximal 1000 Menschen in den Ausstellungsräumen sein durften. Nicht nur, weil sonst die Luft für die Besucher knapp werden würde, sondern auch um die Gemälde zu schützen. Viel mehr Besuchermanagement geht eigentlich nicht.

Was bringen solche Blockbuster-Ausstellungen?

Solche Blockbuster-Ausstellungen werden natürlich auch gemacht, um Geld zu verdienen, um wieder Mittel zu haben für die Museumsarbeit, für neue Ankäufe und anderes. 5 Millionen Euro soll die Ausstellung gekostet haben. Ob sich das für das Städel gelohnt hat, wird sich erst in ein paar Wochen beim Kassensturz herausstellen.

Mehrere Jahre Vorbereitung hat das gedauert, immense Versicherungs- und Transportkosten für die Bilder, zusätzliche Wachposten und Aufsichtspersonal mussten beschäftigt werden. Und dem gegenüber stehen die Einkünfte aus Eintrittskarten, Katalogen und Souvenirs. Darüber sollte dann die Hälfte der Ausstellungskosten gedeckt werden. Darüber hinaus ist so eine Ausstellung auch wichtig für das Renommee eines Museums.

Zum anderen bringt so eine Ausstellung auch Leute ins Museum, die sonst nicht kommen. Insofern erfüllt das auch eine bildungspolitische Aufgabe.

Sind Blockbuster-Ausstellungen noch zeitgemäß?

Ob solche Ausstellungen zeitgemäß sind, ist eine andere Frage. Als klimaneutral kann man so eine Ausstellung nicht gerade bezeichnen. Und auch in der Kunstszene geraten solche Blockbuster-Ausstellungen immer mehr in die Kritik. Eben auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit, die Umweltkosten der Transporte.

Aber auch schlicht, dass die Kunstwerke Schaden nehmen können durch dieses Hin-und-Her-Transportieren. Das finde ich erstaunlich. Während die Museen derzeit ja wirklich viel dafür machen, ihre Sammlung, ihre Schätze auch digital zu präsentieren und damit zugänglich zu machen, scheint gleichzeitig das Interesse zu wachsen, das Original zu sehen.

Ich glaube, in einer Zeit von Fake-News und dieser manipulierten, gephotoshoppten Bilderwelt, ist die Sehnsucht stark wieder etwas Originales zu sehen. Etwas garantiert Wahrhaftiges und auch das Handwerk dahinter – und zwar mit eigenen Augen.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 5.2.20, 7:10 Uhr

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