Luminale EZB

Die Kunstsammlung der EZB zu besuchen ist schon in normalen Zeiten nicht einfach, momentan hat das Besucherzentrum der EZB wie alle Museen geschlossen. Umso schöner, dass die Zentralbank eine App veröffentlicht hat, die ihre Sammlung, die Architektur des Gebäudes und seine Geschichte auf vielfältige Weise zugänglich macht. Sie bietet Überraschungen, positive wie negative.

Wie funktioniert die App der EZB?

Kunst-App der EZB

Man geht auf die Homepage der Zentralbank und klickt den Reiter "Kunst und Kultur". Man sieht sofort ein kleines Video, das die App vorstellt und darunter zwei Links, einen für Android Systeme, einen für Apple-Geräte (iOS) und kann sich dort die App herunterladen.

Es wird die Kunstsammlung der EZB vorgestellt, die dort installierte Kunst am Bau, aktuell ausserdem die letzten beiden Ausstellungen, die es in der Bank zu sehen gab, Kunst aus Kroatien und Estland und die Architektur in verschiedenen Kapiteln.

Man kann sich ganz gut von oben nach unten durchklicken. Man erfährt, dass die Bank seit 1996 Kunst aus den Mitgliedsländern der EU sammelt, ein interessanter Ansatz, denn so hat sich eine veritable Sammlung vor allem jener Länder gebildet, deren Kunstszene in Deutschland selten gezeigt wird, wie Zypern oder Kroatien.

Bei Apps kommt es ja auf die "Aufbereitung" an ...

Die Gestalter haben die Möglichkeiten des Digitalen sehr gut erfasst. So sind zu den einzelnen Kunstwerken nicht nur Texte abrufbar, sondern zu jedem Werk gibt es ein kleines Audio – wie man das von den Audioguides im Museum kennt. Bei einzelnen Kunstwerken gibt es darüber hinaus auch noch Filme, die man betrachten kann. Vor allem die Interviews mit den Künstlern gefallen. Was aber regelrecht nervt ist die Fahrstuhlmusik im Hintergrund.

Wird auch die Architektur des Gebäude im Frankfurter Ostend vorgestellt?

Das Kapitel über die Großmarkthalle hat verschiedene historische Fotos versammelt, auch eine Rarität, einen Schwarzweiß-Film zum ehemaligen Geschäftsbetrieb der Großmarkthalle, über der das Hochhaus der EZB errichtet wurde – dort wurde Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch verkauft.

Was mir allerdings wirklich gefehlt hat ist der Name des Architekten: Martin Elsässer wird zwar im Bild gezeigt, hat auf in dieser App keinen Namen. Um wen handelt es sich? Tatsächlich wird in dem Kapitel über die Großmarkthalle Elsässer noch nicht einmal erwähnt, das ist schon ein starkes Versäumnis.

Kunst-App der EZB

Es gibt jedoch ein Kapitel über die Erinnerungsstätte und die Geschichte der Großmarkthalle während der Zeit des Nationalsozialismus - und man findet sehr ästhetische Fotos der neuen Architektur von Coop Himmelblau bis in den 41. Stock. Dort erhält man Einblick in die Schaltzentrale der Macht, den Governing Consil Room, einen Ort, den normalerweise gar nicht zu sehen bekommt.

Was fehlt in dieser App über die EZB? Was ist verbesserungswürdig?

Mehreres: Thomas Bayrle hat eines der Kunstwerke als Kunst am Bau gestaltet. Es dürfte die größte Arbeit von ihm in Frankfurt sein und eine der aktuellsten noch dazu. Ich finde es schade, dass es mit ihm kein Interview auf der App gibt, gerade als alteingesessener Frankfurter hätte er bestimmt einiges zu sagen gehabt.

Thomas Bayrle: Frankfurters 1980, 2015

Auch ist die letzte Ausstellung zu Künstlern aus Kroatien nur unvollständig abgebildet – bei einer Reihe von Künstlern finden sich keine Infos. Es ist aber trotz aller Kritik eine der besten Apps zu Kunstsammlungen, die ich kenne, egal ob Firmen- oder Museumssammlungen! Allerdings kommt die komplette App auf Englisch daher.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 17.3.2020, 7:30 Uhr

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