Schüler*innen stehen um Klavier herum und applaudieren

Musik besteht aus vielen verschiedenen Facetten und Dingen. Was uns gefällt, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Warum gefällt uns Musik? Dazu forscht Lea Fink und schaut dafür auf die Musik selbst.

Warum gefällt uns Beethoven?

Lea Fink, Forscherin am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

Vielleicht gefällt uns gar nicht allen ein Beethoven. Es ist leicht gesagt, dass uns allen Beethoven gefällt, weil Beethoven sehr populär ist. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie vielschichtig dieses Musik-Gefallen und -Erleben ist. Ich denke mal, denn die meisten verbinden, wenn sie Beethoven hören, nicht die Musik an sich, sondern eher bedeutungsvolle Momente, große Klänge, hymnenartige Momente damit. Ich glaube, wenn Leuten Beethoven gefällt, dann identifizieren sie sich mit jenem Bild von Beethoven, das projiziert wird.

Und das Bild ist: wilde Frisur und "er hat gemacht, was er wollte"?

Genau. Und das Bild ist uns natürlich sehr sympathisch. Und auch das Geniebild ist natürlich sehr attraktiv für viele Leute und verkauft sich auch einfach leicht. Das ist auch ein Stereotyp, der vielleicht nützlich ist, um Leute ein bisschen an Musik heranzuführen oder zumindest eine kleine Vorstellung zu geben, was ein Komponist sein könnte. Aber es entspricht natürlich nicht der Wahrheit.

Auch das Umfeld hat damit zu tun, ob einem eine Musik gefällt. Wie war denn das in seiner Zeit?

Zu seiner Zeit hat die Berichtererstattung auf dem Papier stattgefunden und war viel langsamer. Und was der größte Unterschied war: Die Menschen hatten damals einfach andere Hörgewohnheiten und -erfahrungen. Das können wir uns gar nicht mehr vorstellen, wie das war, als man noch nie Musik gehört hatte, die nach Beethoven kam. Man muss sich vorstellen, dass viele Momente in der Musik die Leute überfordert haben. Viel läuft bei Beethoven nach Schema. Und dann gibt es Momente, die wirklich gewaltvoll davon abweichen. Damals ist das den Leuten ins Mark gefahren. Und diese Dinge, diese Radikalität in Beethoven bleibt uns heute leider verborgen. Man muss sie sich quasi erarbeiten und sich viel damit beschäftigen.

Warum hat das seiner Musik keinen Abbruch getan?

Das hat vor allem damit zu tun, dass sich die meisten Komponisten nach ihm doch wirklich auf ihn gestützt haben oder auch ganz inspiriert und beeinflusst waren. Und das hat sich mit der Zeit einfach durchgesetzt. Es gibt aber heute sicherlich Musik von Beethoven, die nicht sehr beliebt ist, weil sie für manche Leute sperrig ist oder nicht unmittelbar zu einem spricht.

Dann ist Beethoven also kein Komponist, bei dem man sich zurücklehnen kann und Schönheit genießen?

Ja, das könnte man vielleicht so sagen. Ich glaube bei Beethoven kommt es tatsächlich eher auf andere Dinge an als auf einzelne Momente: Es geht eher um das große Ganze. Und um das Bild, das wir von Beethoven im Kopf haben. Und das wir gerne haben, mit dem wir uns identifizieren.

Das Gespräch führt Ria Raphael
Sendung: hr2-kultur, Klassikzeit, 9.1.2020, 10:30 Uhr

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