Hundstage Bulldogge Hund Sommerhitze

Am 23. Juli haben die Hundstage begonnen, normalerweise die heißeste Zeit im Jahr. Sie dauern gut vier Wochen, und sie haben ihren Ursprung am Himmel. Was ist das für ein Hund am Himmel, der den Hundstagen den Namen gibt?

Im Studio ist der Astronom Volker Heinrich vom Präsidium des physikalischen Vereins, der die Sternwarten auf dem Feldberg und in Frankfurt betreibt. Wir wollen über die Sterne am Himmel reden und das, was sie uns auf der Erde sagten und sagen können. Was ist das für ein Hund am Himmel, der den Hundstagen den Namen gibt?

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Astronom Volker Heinrich über den Großen Hund am Himmel

Hundstage Sternbild Großer Hund
Ende des Audiobeitrags

Wenn wir uns die Umgebung dieses Sternbildes anschauen, haben wir als Markantestes den Himmelsjäger Orion, und zu einem Jäger passen natürlich auch Hunde. Und da gibt es gleich zwei: den Großen und den Kleinen Hund. Die gehören also quasi zum Orion dazu; das sind seine Jagdhunde sozusagen. Und im Sternbild Großer Hund befindet sich ein besonders auffälliger Stern. Es ist der hellste Fixstern am Nachthimmel, und zwar sowohl, wenn wir die Südhalbkugel betrachten, als auch die Nordhalbkugel. Es gibt am ganzen Himmelsareal keinen helleren Stern als den Sirius.

Und was hat das mit den Hundstagen beziehungsweise den vier Wochen zwischen dem 23. Juli und dem 23. August zu tun?

Das ist mir auch ein bisschen unerklärlich, wie sich das in unseren Kulturbereich gerettet hat. Ursprünglich sind die Hundstage eine Sache, die im alten Ägypten eine große Rolle gespielt hat. In der Antike hatte man ja keine Hilfsmittel, um den Sternenhimmel zu beobachten. Das heißt, man hat die mit bloßem Auge erkennbaren Phänomene beobachtet. Und ein besonderes Phänomen ist der Frühaufgang eines Sternes vor der Sonne.

Hundstage Sirius La Palma Kanaren Kanarische Inseln Teide

Dazu muss man wissen, dass sich die Position der Sonne jeden Tag ein klein bisschen am gestirnten Himmel verändert. Und zu bestimmten Zeiten sind bestimmte Sterne und bestimmte Sternbilder nicht sichtbar, weil sie mit der Sonne am Tag stehen. Zu anderen Zeiten haben wir sie wunderbar sichtbar in der Nacht, und der Frühaufgang eines Sternes ist der Zeitpunkt, wenn ein Stern zum ersten Mal in der Dämmerung sichtbar wird, um dann kurze Zeit später von der aufgehenden Sonne überstrahlt zu werden. Das ist also eine ganz gut definierbare Zeitmarke, die man relativ gut beobachtungstechnisch festlegen kann.

Dämmerung am Nil

Jetzt will es der Zufall, dass ungefähr sechs Wochen nach dem Frühaufgang des Sirius im alten Ägypten der Nil begann, das Niltal zu überfluten. Die Ägypter leben ja bis heute in einem ganz engen Bereich rechts und links des Nils. Ihre Felderwirtschaft war direkt abhängig von diesen Nilüberflutungen. Der Nil brachte fruchtbare Schlämme mit sich und brachte die Feuchtigkeit, die die Ackerfrucht brauchte zum Wachsen. Vom Zeitpunkt des Sichtbarwerdens des Hundssterns hatte man noch ein paar Wochen Zeit, um die Kanäle und Gräben wieder herzurichten, damit die Fluten ihren Weg auf die Felder fanden.

Ist das Datum und die Sternenkonstellation denn noch dasselbe heute wie vor 4000 Jahren?

Die Daten haben sich natürlich verschoben. Es gibt da eine Pendelbewegung unserer Erdachse, die dazu führt, dass solche Daten über größere Zeiträume sich verschieben. Das würde heute so nicht mehr passen. Aber im alten Ägypten hat das alles wunderschön gepasst.

Aber ob es wirklich heiß wird, das wissen die Sterne nicht.

Ich habe als Erklärung für die Hundstage des öfteren gehört, es wäre so heiß draußen, dass man keinen Hund vor die Tür jagt. Aber das ist natürlich sekundär. Es ist nun mal erfahrungsgemäß der Zeitraum, in dem der Sommer am intensivsten ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass man da richtig schön heiße Tage hat, die ist ja nicht ganz klein.

Und dass man in der flirrenden Sommerhitze dann eine Fata Morgana sieht und irgendetwas tropft aus dem Himmelsbild …

Das haben die Ägypter ihrem Himmelshund auch zugetraut, das der ein bisschen auf die Erde sabbert. Das ergibt dann die Fata Morgana.

Kamen denn durch die Sterne auch die Götter und Göttinnen in Ägypten ins Spiel? Haben die Sterne dann einen direkten Bezug auf die Erde auch gehabt?

Die Sternbilder und Fixsterne sind eher Zeitmarken. Es gibt aber eine Gruppe von Objekten am Himmel, die ihre Position untereinander verändern. Und das sind die Planeten. Zur Zeit der Ägypter zählten auch Sonne und Mond zu den Planeten. Diese Bewegung unter dem ansonsten ewigen Sternenhimmel, die wurde immer als ein Abbild göttlichen Willens gedeutet. Und das sind auch die Ursprünge dessen, was wir heute als Astrologie kennen.

Hundstage Ägypten Astrologie Göttin Hathor Sirius

Irgendjemand hat eine Schlacht geschlagen, und dann hat man das angeguckt: Wie haben die Planeten zum Zeitpunkt dieser Schlacht gestanden. Und wenn man dann eine ähnliche Konstellation wiedergesehen hat, war man der Meinung, man könne es mal wieder probieren. Und am Ende des Tages hat es dann entweder funktioniert, oder man hat selbst die Prügel bezogen.

Zu der Zeit waren Astronomen Astrologen sich ja sehr nahe. Heute ist das gar nicht mehr so.

Genau. Das konnte man seinerzeit nicht unterscheiden. Aber das liegt natürlich daran, dass für die Menschen der Antike der Himmel göttlich war. Und damit hatte alles, was an diesem Himmel zu sehen war, irgendeine hochbedeutende Funktion, und die versuchte man zu ergründen. Niemand hätte jemals in der Antike versucht herauszufinden, ob die Sterne für Lieschen Müller günstig stehen in Sachen neue Freundschaften und Liebesbeziehungen. Das hätte keiner gemacht. Das war eine staatliche Geschichte. Und nur ganz wenige Eingeweihte wussten um diese Deutung.

Es ging ja auch um Leben und Tod. Sind denn die kalendarischen Geheimnisse ewige Wahrheiten?

Ich denke schon. Den Ägyptern verdanken wir zum Beispiel unsere Jahreslänge mit 365 Tagen. Die haben also schon herausgefunden, dass sich alle 365 Tage am Himmel im Prinzip dasselbe abspielt. Gut, wir wissen heute, das passt nicht ganz genau. Da ist ein Vierteltag Differenz. Deswegen brauchen wir ja auch alle vier Jahre mal einen Schalttag. Vieles von dem, was damals erkannt wurde, gehört zu unserem heutigen Leben.

Weitere Informationen

Der Physikalische Verein

betreibt zwei Sternwarten in Frankfurt sowie auf dem Kleinen Feldberg im Taunus. Die Frankfurter Volkssternwarte ist gegenwärtig wegen Renovierung geschlossen.

www.physikalischer-verein.de

Ende der weiteren Informationen

Was die Sterne mit den Hundstagen zu tun haben und was sie uns darüber erzählen, das hat uns der Astronomen Volker Heinrich erzählt. Vielen Dank, Herr Heinrich für den Besuch und für die spannenden Einblicke in den Himmel. Danke fürs Kommen.

Die Fragen stellte Daniella Baumeister.

Sendung: hr2-kultur, "Kulturcafé", 23.07.2020, 17:10 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit