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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wiesbaden 1000 Jahre älter als gedacht

Ausgrabung in Wiesbaden-Bierstadt

Die Stadt Wiesbaden ist 1000 Jahre älter als gedacht. 5000 Jahre alt heißt es noch offiziell. Aber in Wiesbaden-Bierstadt, etwa zehn Autominuten vom Zentrum entfernt, siedelten schon vor 6000 Jahren Menschen.

Hinterlassen haben diese Menschen uns hauptsächlich Scherben. Und die haben Archäologen mühsam bei Wind und Wetter ausgegraben. Eine Keramikscherbe aus dem Jahr 4000 vor Christus ist etwa fünf Zentimeter groß, grob und dunkelbraun. Davon gibt es einen ganzen Berg. Etwa einen Zentner haben die Archäologen gefunden.

Bauern der Michelsberger Kultur aus der Jungsteinzeit haben grobe Krüge und feineres Geschirr aus Ton geformt, gebraucht und irgendwann weggeworfen. Dr. Katharina Mohnike von der Universität Marburg erklärt: "Wir haben Funde der sogenannten Michelsberger Kultur gefunden und zwar in einer erstaunlichen Fülle und Qualität. Wir sind ganz überrascht und erfreut über diese schönen Funde. Wir kennen merkwürdigerweise ihre Häuser nicht. Aber bei den Michelsberger Leuten finden wir immer Siedlungsgruben, in die fast rituell jede Menge Keramikabfall, fast ganze Gefäße, Steingeräte usw. regelrecht verklappt worden sind. Das ist für Archäologen schön, weil wir natürlich viel finden. Aber erklären können wir dieses Phänomen nicht richtig."

Grube statt Kühlschrank

Ausgrabung in Wiesbaden-Bierstadt

Diese Erdgruben wurde vorher für etwas anderes genutzt. Sie waren relativ tief, und hier wurde Getreide wie Emmer und Gerste aufbewahrt. "Die brauchten das ja im nächsten Jahr wieder ohne Kühlhaus oder Kühlschrank. Und die haben es tatsächlich in diesen Gruben gelagert, bis sie es wieder zur Aussaat entnommen haben. Das kann durchaus mehrere Jahre gedauert haben." Das eigene Getreide anpflanzen und davon leben war hart, sagt Archäologin Mohnike: "Die Menschen haben sicherlich ein mühsames Brot gebrochen, das muss man sagen. Sie sind auch bei Weitem nicht so alt geworden wie wir."

Geschichtsbücher korrigieren

Gerade im Rhein-Main-Gebiet finden sich viele Hinterlassenschaften der Michelsberger Kultur. Benannt ist sie nach einem großen Fundort am Michelsberg bei Karlsruhe. Siedlungen gibt es von Nordfrankreich bis Sachsen. Dass die Geschichtsbücher über Wiesbaden jetzt um 1000 Jahre korrigiert werden müssen, liegt daran, dass die Stadt Wiesbaden in Bierstadt-Nord ein neues Baugebiet erschließt. Projektleiter Jan Schöffner: "Wir erschließen hier 14 Hektar Bauland. Das sind 400 Wohneinheiten. Das werden so 1200 Personen, die hier einziehen."

Die Grabungen liefen parallel zu den Bauarbeiten. Kanäle wurden angelegt für Gas- und Wasserleitungen. Bei archäologischen Funden wurde woanders weitergemacht. "Wir haben immer versucht wöchentlich abzustimmen, wie die weiteren Bauabschnitte gestaltet werden. Und am Ende gibt es eine Punktlandung bei der Bauzeit. Von daher ist alles gut", sagt Jan Schöffner.

Ausgrabung in Wiesbaden-Bierstadt

Die Archäologen haben sich den Winter über nicht von Kälte und Regen schrecken lassen. Sie haben auch noch fünf Gräber aus einer anderen Zeit gefunden - Urnen, Bronzenadeln und Messer, die etwa 3000 Jahre alt sind. Katharina Mohnike: "Da haben wir den Rest eines Urnenfeldes erfasst mit schönen Bronzebeigaben und Gefäßen. Auch das hat uns das Archäologenherz höher schlagen lassen." Die Aufarbeitung der archäologischen Funde aus Bierstadt wird etwa zwei bis drei Jahre dauern.

Sendung: hr2-kultur, "Kulturfrühstück", 15.02.2020, 07:40 Uhr

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