Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Die Oberflächen seiner Bilder haben tatsächlich eine starke Energie."

Maler Winston Roeth

Nuancen von verschiedenen Pigmenten und Spiele mit feinsten Schattierungen - das Werk des amerikanischen Malers fasziniert auf den ersten Blick. In der Landeshauptstadt sind nun die Meilensteine seiner Arbeit zu sehen.

Im Museum Wiesbaden zeigt der amerikanische Maler Winston Roeth die Ausstellung "Speed of Light“. Wie hängen für ihn Farben und Licht zusammen? Stefanie Blumenbecker war vor Ort und hat mit dem Künstler sprechen können.

Was für ein Mensch ist Winston Roeth?

Er ist wie seine Bilder, er wirkt asketisch, auf den ersten Blick vielleicht sogar streng, groß, sehr schlank, graue Haare, eher zurückhaltend, aber offen - und hat einen wunderbaren Humor. Man spürt schnell, dass Winston Roeth ein sehr sensibler, hoch empfindsamer Mann ist, der sich seit sehr langer Zeit und sehr ernsthaft mit seinem Thema – die Farbe in der Malerei - beschäftigt. Einen Teil des Jahres lebt er in seinem Landhaus in Maine, einem Ort, wo es viel Platz, viel Ruhe, viel Licht und wenig Menschen hat.

Wie sehen seine Bilder aus?

Winston Roeth:

"Reduziert" - dieses Wort passt vielleicht am besten. Winston Roeth malt Farbtafeln, die fast immer nur eine einzige Farbe zeigen. Manchmal kommt ein schmaler Rand in Gold dazu. In einigen Fällen montiert er zwei schmale Querformate so aneinander, dass sie ein Bild aus zwei Teilen ergeben. Das erinnert dann an eine Landschaft: Meer, Horizontlinie und Himmel.

Erst wenn man sich ein klein wenig auf diese Malerei einlässt, wird klar, dass sie einen großen Reichtum birgt. Alle seine Farben sind aus Pigmenten auf dem Bildträger gemischt. Keine davon ist grell oder bunt. Viele sind außerordentlich fein. Man spürt schnell, dass die Sprache sehr begrenzt ist um einzelne Töne zu beschreiben. Wenn er etwa zwei Dutzend kleinere Tafeln miteinander kombiniert und alle Abstufungen von dunklem Grün und Blau zeigen.

Winston Roeth:

Wie viele Worte gibt es für Dunkelgrün?

Während Roeth malt, ändert sich in seinem Atelier im Lauf des Tages und im Laufe eines Jahres fortwährend das Licht. Und alle seine Bilder wirken bei verschiedenen Lichtverhältnissen unterschiedlich. Erst wenn eine Tafel in jedem Licht Präsenz entwickelt und Lebendig wird, wird sie in sein Werk aufgenommen.

Zitat
„Hell und dunkel, trocken und nass, reflektierend und absorbierend — diese Eigenschaften verleihen den verschiedenen Teilen des Gemäldes einen speziellen visuellen Rhythmus. (…) Die Rhythmen verändern sich mit dem Licht sowie der Position und den Bewegungen der Betrachtenden.“ Zitat von Winston Roeth
Zitat Ende

Werke ohne Titel?

Im Gegenteil: Roeth verwendet sehr poetische Titel. Manche setzen sofort eine Beziehung zu einer Landschaft oder einem Ort, z. B. "Sahara" oder "Landschaft mit Zedern". Andere erinnern an Titel von Musikstücken, "„Summertime blues", "Easy Lover“ oder "Green River", grüner Fluss. Manche wirken fast wie eine Beschreibung dessen was man sieht wie "Almost white", fast weiß.

Winston Roeth: More Than Youll Ever Know, 2018

Die Titel setzen Bezüge zu Erinnerungen und Vorstellung. Selbst wenn man noch nicht in der Sahara war, hat man Vorstellungen von der Hitze dort, dem Flirren des Lichtes und der Trockenheit. Diesen Empfindungen kann man in der Betrachtung des Bildes nachspüren und findet vielleicht Entsprechungen. Auch zur Musik. Er hat erzählt, dass die Musik von Miles Davis für ihn wichtig ist. Die Titel erweitern und vertiefen die Bilder noch einmal. Sie machen auch deutlich, dass bei aller Strenge im Werk von Winston Roeth seine Bilder Rückbezüge zum Leben, zur Natur, zum Licht und der Empfindungsfähigkeit haben. Sie sind sehr sinnlich.

Winston Roeth:

Wie findet sich das Licht in der Ausstellung wieder?

Weitere Informationen

Winston Roeth: Speed of Light

Museum Wiesbaden
bis 21. Februar 2021


Zahlreiche öffentliche Führungen

Ende der weiteren Informationen
Winston Roeth: Quiet Night

Winston Roeth ist der Auffassung, dass Farben das Potential bergen, zu Licht zu werden, aus sich selbst heraus leuchten zu können. Er spricht von der reinen Energie der Farben. Das ist an sich nichts Neues, viele Künstler haben sich mit dem physikalischen Zusammenhang von Licht und Farbe befasst. Die Oberflächen seiner Bilder haben tatsächlich eine starke Energie. Manche erzeugen ein Vibrieren und Flirren im Auge. Auch bei den großen, rein monochromen Bildern entsteht ein faszinierendes Phänomen. Wenn man dicht davor steht und die Farbe das ganz Gesichtsfeld ausfüllt erlebt man einen Kontrast von Leere – da ist eigentlich nichts auf der Fläche, da passiert nichts – und einer großen Präsenz. Das innere Leben der Bilder kommt durch das Licht, das teilweise aus ihnen regelrecht heraus zu fluten scheint. Es ist eine Ausstellung, die ich als sehr beglückend empfunden habe, aber man braucht Muße um sich auf die feinen Nuancen einlassen zu können.

Sendung: hr2-kultur, 11.9.2020

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit