Tizian | Noli me tangere (Christus erscheint Maria Magdalena), um 1514
Tizian | Noli me tangere (Christus erscheint Maria Magdalena), um 1514 Bild © The National Gallery, London. Vermacht von Samuel Rogers, 1856

Tizian galt schon früh als begabt: Die Karriere, die er als Maler hinlegte, ist einzigartig, er wurde sogar zum Ritter geschlagen. Unsere Autorin zeichnet ein Portrait.

Geboren wird Tizian Vecellio in einem kleinen Ort in den Dolomiten in Pieve di Cadore – wann genau ist nicht bekannt. Schon seine Zeitgenossen machten dazu widerstreitende Angaben. Vermutlich zwischen 1488 und 1490. Schon als Junge tut er sich im Zeichnen hervor, er gilt als begabt. Sein Vater Gregorio schickt ihn gemeinsam mit seinem Bruder Francesco nach Venedig, um dort eine Ausbildung zu absolvieren. Tizian ist vermutlich erst um die zehn Jahre alt.

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Bastian Eclercy, Tizian-Kenner und Kustos der aktuellen Ausstellung am Städel Museum Frankfurt: "Er kommt nach Venedig, um dort das Medium der Malerei zu erlernen. Was natürlich in einem kleinen Dorf in den Dolomiten schlechthin nicht möglich gewesen wäre und er wird offensichtlich angezogen vom Ruf der Werkstatt des Giovanni Bellini."

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Tizian (um 1488/90–1576)

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Porträt: Der Malerfürst Tizian

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Bellini ist der führende Maler der ganzen Region und er ist besonders bekannt für seine warmen, leuchtenden Farben. Als einer der ersten verwendet er Öl statt Tempera-Farben und erzielt damit eine bis dahin nicht bekannte Leuchtkraft. Vor allem für seine Blautöne war Bellini berühmt. Auch für Tizian wird die Gestaltung aus Farbe und Licht ein Leben lang Bedeutung besitzen. Durch sein Werk setzt sich die Malerei aus Venedig deutlich von der aus Florenz ab, wo immer stärker die Linie und die Zeichnung dominierte.

Der einzige venezianische Maler mit europäischer Karriere

In der Werkstatt von Bellini begegnet der Malerschüler anderen jungen talentierten Künstlerkollegen. Er schließt Freundschaften mit Sebastiano del Piombo und Lorenzo Lotto, vor allem aber mit Giorgione. "Eine Figur, die heute immer noch rätselhaft ist. Wir wissen nicht so ganz genau, was der eigentlich gemalt hat. Die Bilder sind auch alle rätselhaft in der Deutung. Aber er ist sozusagen derjenige, der diesen Funken aufnimmt und dann auch weiterträgt in die europäische Malerei hinein", sagt Eclercy.

Denn Tizian und Giorgione arbeiten gemeinsam. Aber der Freund stirbt früh. Weniger Jahre später auch sein Lehrmeister Bellini. Nun steigt Tizian endgültig zum führenden Malermeister der Serenissima, der Lagunenstadt, auf. Aber selbst das reiche Venedig, damals auf dem Höhepunkt seiner Macht, wird ihm schnell zu klein. "Das Spannende ist, er hat ja nicht nur in Venedig gearbeitet. In der ersten Zeit schon, aber er arbeitet sich dann immer weiter vor durch Italien nach ganz Europa. Er ist sozusagen der einzige venezianische Maler, der eine, wenn man so will, europäische Karriere gemacht hat. Der zunächst an die oberitalienischen Fürstenhöfe geht nach Ferrara nach Mantua, für den Papst arbeitet, den deutschen Kaiser und schließlich für Philipp II. von Spanien", erzählt Eclercy.

Was der Pinsel und die Pigmente hergeben

Der Kaiser schätzt Tizian so hoch, dass er ihn zum Ritter ernennt und auch seine Kinder adelt. Damit wird Tizian buchstäblich zum Malerfürsten. Eine Ehre, wie sie nur die allerwenigsten Künstler erfahren. Der gesellschaftliche Aufstieg ist verbunden mit enormen Zahlungen. Als kaiserlicher Hofmaler und Ritter vom Goldenen Sporn bewegt sich Tizian zwischen den Großen und Mächtigen seiner Zeit. Die meisten seiner Förderer, Gönner und Freunde überlebt Tizian, der sehr alt wird. Hochbetagt arbeitet er bis 1576, bis die Pest seinem Leben ein Ende setzt.

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Die Schönheit und Reichhaltigkeit von Tizians Malerei kann man in einem kleinen Bild der Ausstellung des Städels finden. Es ist ein Porträt seines Farbenhändlers. "Da sehen Sie dann links die Farbenpalette, die dieser Händler anbietet, und darüber ist ein Streifen mit einer wunderbar duftig gemalten Landschaft, in der genau diese Farben zur Anwendung kommen, in einer ganz freien, dynamischen Form von Malerei, wo Tizian sozusagen in einem kleinen Ausschnitt des Bildes sich alle Freiheiten nehmen kann und zeigt, was die Pigmente und der Pinsel hergeben", sagt Eclercy.

Weitere Informationen

Tizian und die Renaissance in Venedig

13. Februar bis 26. Mai 2019
Städel Museum Frankfurt, Schaumainkai 63
Mehr Informationen unter www.staedelmuseum.de

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Sendung: hr2-kultur, Klassikzeit, 13.02.2019, 11:30 Uhr

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