Cindy Sherman: Ausstellung "That s Me - That s Not Me" in Wien
Cindy Sherman in der Ausstellung "That s Me - That s Not Me" in Wien Bild © imago/Viennareport

Die Fotokünstlerin Cindy Sherman hat am Dienstag den Frankfurter Max-Beckmann-Preis überreicht bekommen. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Unser Korrespondent stellt die Fotografin und ihre Arbeit vor.

Als freundlich und zugewandt gilt die heute in New York lebende Fotografin. Schnell hat sie ein Lächeln auf dem Gesicht. Lori Barbero von der Band "Babes in Toyland" beschreibt Cindy Sherman aber als echten "Punk-Rock". Das Musikvideo zu "Bruise Violet" ist teilweise in Shermans Loft auf der 12. Etage in New Yorks Stadtteil Soho entstanden. Und die verstörenden Fotografien Shermans sind zu Plattencovern der Band geworden.

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Das Landei aus New Jersey, die Spätgeborene einer Großfamilie, hat die Kunstwelt explodieren lassen: mit ihrem fotografischen Frankenstein-Labor. Sherman ist mit ihren bizarr-verformten Selbstporträts ihre eigene Leinwand. Ihr Gesicht, so hat es die Zeitung "The Guardian" mal geschrieben, habe tausende Doktorarbeiten zu Gender-Studien ausgelöst. Sie ist eine Frau, die sich – und ihr Publikum – immer wieder neu fordert und herausfordert.

Die Lust des Schauens wird herausgefordert

"Als ich die Serie 'History Pictures' machte, das war ein Wendepunkt für mich", sagt die Fotografin. Sie habe zwar schon zuvor Erfolg bei den Kritikern gehabt, aber diese Ausstellung sei so unglaublich populär gewesen, dass sie sich geradezu schuldig gefühlt habe. "Danach habe ich die Reihe 'Sex Pictures' fotografiert. Ich musste etwas machen, das mich mehr herausfordert, etwas Schwieriges. Etwas, das es dem Publikum schwer macht, zu applaudieren und die Arme hochzureißen", erzählt Sherman.

Der Schock des Publikums ist ihr gelungen: Sie arrangiert nicht zusammengehörige Körperteile von medizinischen Puppen zu pseudo-erotischen Posen. Die später folgenden "Horror-Bilder" mit dämonischen Fratzen und Hautfetzen sind noch verstörender. Es ist eine Anti-Ästhetik, die die Lust des Schauens herausfordert.

Meisterin der Selbstverwandlung

Snapchat, Instagram und die Besessenheit mit dem eigenen Bild - all das scheint Cindy Sherman lange vorweg genommen zu haben. Social Media aber habe sie zunächst als "so vulgär" gefunden, hat sie einmal gesagt. Heute folgen ihr 230.000 Menschen auf Instagram und sie nutzt die Bildbearbeitung von Apps, um einmal mehr ihr Gesicht zu verformen.

Die Beziehung mit dem Talking-Heads-Sänger David Byrne endete vor einigen Jahren im Schmerz. Heute lebt Cindy Sherman allein. Das Alter, sagt die 65-Jährige, habe etwas Verstörendes: Sie könne sich zwar in eine Hundertjährige verwandeln, für eine Verjüngung aber gäbe es deutliche Grenzen.

Dennoch aber dürfte es ein gutes neues Jahr für Cindy Sherman werden. Die National Portrait Gallery in London widmet der Erfolgskünstlerin eine große Retrospektive. Frankfurt verleiht ihr den Max-Beckmann-Preis, der mit 50.000 Euro dotiert ist. Die Meisterin der Selbstverwandlung wird sicher neue Wege finden, ihre Arbeit zu genießen – und es dann doch wieder alles zu einfach zu finden.

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 12.2.2019, 7:50 Uhr

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