Konzert Dinosaur / Charles Lloyd Kindred Spirits / Christof Lauer meets Kudsi Erguner

50. Deutsches Jazzfestival Frankfurt
2019 Jazzfestival - Tag 3 - Charles Lloyd
Frankfurt am Main
hr-Sendesaal
Bertramstraße 8
60320 Frankfurt am Main

Das Quartett der Trompeterin Laura Jurd, die Saxofon-Legende Charles Lloyd sowie eine Begegnung von Orient und Okzident versprechen einen abwechslungsreichen zweiten Abend im hr-Sendesaal.

Dinosaur

Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2019 - Tag 3 - Dinosaur

“Ich habe nie darüber nachgedacht, Musikerin zu werden. Aber ich habe immer schon gefühlt, dass ich Musikerin bin.“ Die britische Trompeterin und Komponistin Laura Jurd ist 29, ganz schön selbstbewusst und inzwischen viel mehr als nur ein Geheimtipp der Szene. Virtuos spielt sie in all ihren Projekten mit den verschiedensten stilistischen Genres und macht doch alles immer zu ihrem eigenen Ding. Laura Jurd ist nämlich zutiefst überzeugt davon, dass man echten Erfolg nur erreichen kann, wenn man authentisch und bei sich selbst bleibt.

"Die Trompete ist Teil meiner Identität"

Klassik – besonders Bartók und Strawinsky – und Jazz haben die Musikerin schon früh geprägt. Aufgewachsen in der südenglischen Grafschaft Hampshire improvisierte sie schon mit vier auf dem heimischen Klavier, wechselte dann aber in der Grundschule zur Trompete. „Sie ist seitdem meine ständige Begleiterin“, erzählt sie im Interview, „von morgens bis abends, jeden Tag. Und wenn man das so lange macht, wie ich, dann ist klar, dass das Instrument zum ganz entscheidenden Teil der eigenen Identität wird.“  Schon mit 16 beeindruckte Laura Jurd am College mit ausgefeilten eigenen Kompositionen und studierte dann am Londoner Trinity Laban Konservatorium.

Langjährige Freundschaft

Für Aufsehen sorgte die vielfach preisgekrönte Trompeterin in Bands wie „Human Spirit“ und „Chaos Collective“. Zum Deutschen Jazzfestival Frankfurt kommt die britische Ausnahmemusikerin aber mit ihrem 2010 gegründeten Quartett „Dinosaur“. Dessen Debut-CD hieß „Together, as One“ und spielte schon im Titel auf die langjährige Freundschaft der Bandmitglieder an. An den Keyboards sitzt mit Elliot Galvin ebenfalls einer der aufregenden jungen Musiker der britischen Insel, der mit seinen irrlichternden Rhodes- und Hammond-Sounds die strahlenden Trompetenlinien seiner Bandleaderin eindrucksvoll kontert.

Hypnotischer Sog

In den ausgefeilten Kompositionen von Laura Jurd spielen zudem die rhythmisch vertrackten Grooves von Connor Chaplin am Bass und Corrie Dick am Schlagzeug eine wichtige Rolle. Ein geradezu hypnotischer Sog lässt die Zuhörer im Konzert keine Sekunde vom Haken, so irrwitzig die verschlungenen Wege des Quartetts auch sein mögen. Entscheidendes Element im musikalischen Universum von Laura Jurd ist die Improvisation, alle Bandmitglieder bekommen viel Freiraum. „Vier verschiedene und  starke Individuen“, so Laura Jurd, „die aber musikalisch als Einheit interagieren und funktionieren.“

Laura Jurd | Trumpet
Elliot Galvin | Piano, Synth
Conor Chaplin | Bass
Corrie Dick | Drums

Charles Lloyd Kindred Spirits

Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2019 - Tag 3 - Charles Lloyd Quintet

1966 war der amerikanische Saxofonist und Flötist Charles Lloyd 28 Jahre alt und auf einem ersten Höhepunkt seiner Karriere. Beim 10. Deutschen Jazzfestival im selben Jahr trat er im Frankfurter Volksbildungsheim mit seinem damaligen höchst erfolgreichen Quartett auf, zu dem die ebenfalls noch jungen Jack DeJohnette, Cecil McBee und Keith Jarrett gehörten.

Aus der Kombination von Elementen des modalen Jazz mit Rock-orientierter Rhythmik und der von Spiritualität geprägten Musizierhaltung des Leaders entwickelte dieses Quartett eine Musik, die ein Publikum jenseits des Jazz erreichte, und das lange vor Miles Davis. Die musikalische Melange aus Jazz, Rock, Folk und Blues kam bei der Flower Power-Generation gut an und das 1966 beim Monterey Festival aufgenommene Album „Forrest Flower“ verkaufte sich weit mehr als eine Million Mal.

Verfeinert und weiterentwickelt

1969 löste sich das Quartett dann auf und nach dem Tod seiner Mutter zog sich Charles Lloyd Anfang der 70er Jahre fast vollständig aus der Szene zurück, beschäftigte sich intensiv mit transzendentaler Meditation. Fast zwei Jahrzehnte dauerte dieser Rückzug, der dem Saxofonisten und Flötisten die Gelegenheit bot, seinen Personalstil zu verfeinern und die Intensität seines Tones weiter zu entwickeln. „Ich versuche dorthin zu gelangen, wo der Ton zur destillierten Essenz wird und eben diese Qualität der Reinheit spürbar ist“, kommentiert Lloyd diesen Prozess.

Verschiedene Quartett- und Quintettbesetzungen

Erst als Charles Lloyd in den 80er Jahren den jungen Michel Petrucciani kennenlernt und dieser ihn zu einer Rückkehr ins Musikgeschäft bewegen kann, erwacht wieder das Interesse am Jazz. Verschiedene Quartett- und Quintettbesetzungen und viele neue CDs, u.a. auch beim Plattenlabel ECM, bescheren Lloyd in den Folgejahren ein grandioses Comeback und ausgedehnte Tourneen.

Nach wie vor beeindruckt Charles Lloyd auf Saxofon und Querflöte durch seine hohe Virtuosität sowie seinen lyrischen und intensiven Ton und wir sind ungeheuer stolz, diese Lichtgestalt der Jazzszene beim 50. Deutschen Jazzfestival Frankfurt präsentieren zu können – mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem ersten Konzert in Frankfurt und wieder mit einer handverlesenen hochkarätigen Besetzung!

Charles Lloyd | Tenor Saxophone, Flute
Marvin Sewell | Guitar
Gerald Clayton | Piano
Harish Raghavan | Bass
Eric Harland | Drums

Christof Lauer meets Kudsi Erguner

Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2019 - Tag 3 - Christof Lauer

Auf die Frage, wie lange er bei der NDR Big Band gespielt habe, antwortet Christof Lauer mit dem für ihn typischen lakonischen Humor: „viel zu lange“. Dann schiebt er nach, dass er sich keineswegs beklagen wolle. Aber 25 Jahre pendeln zwischen Main und Alster, das kostet natürlich auch Zeit und Kraft. Seit einem Jahr genießt er, dass er seine Energie nicht mehr aufteilen muss. „Das macht den Kopf frei für neue Ideen“, sagt er. Ideen, an denen er dann auch ungehindert arbeiten kann und die schließlich in seinem Spiel hörbar werden. So hätte er sich früher keine Soloauftritte zugetraut, wie er sie nun regelmäßig bei seinen 30minütigen frei improvisierten Jazz-Meditationen in der Alten Nikolaikirche am Frankfurter Mainufer zu Gehör bringt. Für ihn „eine neue, große Herausforderung.“

Elektrisierender Energieschub

Daraus spricht die Bescheidenheit eines Musikers, der sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, sich selbst und seinem Instrument alles ab zu verlangen. Da gibt jeder erklommene Gipfel nur den Blick auf neue Herausforderungen frei. Nachdem er im letzten Jahr dem Albert-Mangelsdorff-Abend in der Alten Oper einen elektrisierenden Energieschub versetzt hatte, haben wir Christof Lauer eingeladen, das diesjährige Festival mit einer Besetzung seiner Wahl zu bereichern – sozusagen als „welcome home“-Geschenk. Christof entschied sich für Kudsi Erguner, den großen Virtuosen der türkischen Endkantenflöte Nay, der in seinem Spiel immer wieder Brücken zwischen Orient und Okzident schlägt. 1999 war Lauer an Erguners Sufi-Jazz-Project beteiligt und hat anschließend immer mal wieder, jetzt aber seit einigen Jahren nicht mehr mit dem türkischen Weltenwanderer zusammengearbeitet. 

Spannende Begegnung

Kudsi Erguner

Diesmal wird es ein gemeinsames Projekt sein, zu dem beide Kompositionen beisteuern. Kudsi Erguner schlug den Perkussionisten Bruno Caillat vor, der auch 1999 schon mit von der Partie war. Er beherrscht nah- und fernöstliche Instrumente wie Bendir, Zarb, Tabla oder Daf. Diesen meisterlichen Weltmusiker konfrontiert Christof Lauer ganz bewusst mit dem Hamburger Schlagzeuger Silvan Strauss, denn er findet es inspirierend, mit einem jungen, kreativen Typen wie ihm zu spielen, der ein großes Spektrum von Jazz bis Hip Hop einbringt. Hans Glawischnig schließlich, seit einem guten Jahr Bassist der hr-Bigband, ist in multistilistischen Projekten mit weltmusikalischem Einschlag spätestens durch seine Mitgliedschaft im Miguel Zenon Quartet bestens vorbereitet. Christof Lauer kennt ihn noch als halbwüchsigen Sohn seines damaligen Grazer Mentors Dieter Glawischnig, spielt aber bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal mit dem Bassisten zusammen. Alle freuen sich auf diese Begegnung. Wir auch!

Christof Lauer | Tenor & Soprano Saxophone
Kudsi Erguner | Nay
Hans Glawischnig | Bass
Bruno Caillat | Percussion
Silvan Strauss | Drums

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