Konzert ECM - 50 Jahre Schönheit am Rand der Stille

2019 Jazzefestival
Frankfurt am Main
Alte Oper
Großer Saal
Opernplatz 1
60313 Frankfurt am Main

Das Eröffnungskonzert des 50. Deutschen Jazzfestivals Frankfurt gratuliert der Münchner Plattenschmiede ECM zu deren 50. Geburtstag.

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Bis heute von Manfred Eicher geleitet, hat das noch immer unabhängige Label mehr bewegt als viele Majors: Es hat neue ästhetische Standards gesetzt, europäischen Jazz weltweit etabliert und die Karrieren vieler Säulenheiliger des Jazz im entscheidenden Moment angeschoben.

"Returnings" - Jakob Bro Quartet feat. Palle Mikkelborg

Weil er als studierter klassischer Bassist bei Jazzaufnahmen die Sorgfalt vermisste, die er von Klassikaufnahmen kannte, begann Manfred Eicher selbst Platten zu produzieren. Ihr natürlicher, transparenter Klang kam kammermusikalisch agierenden Ensembles in besonderem Maß zugute, weil er die Faszination gerade der leisen Töne auf neue Weise erfahrbar machte. Auf seiner nun 50 Jahre währenden und immer noch unermüdlichen Suche "nach einer Wahrheit des Ausdrucks" landete und landet Manfred Eicher immer wieder bei Musiker*innen, die nach innen lauschen, bevor sie sich äußern. Jakob Bro ist so einer. Der als Sideman von Tomasz Stanko und Paul Motian bekannt gewordene Däne reiht sich ein in die lange Liste beeindruckender Gitarristen, die mit dem Namen ECM verbunden sind.

Nordisch-elegische Klangmagie

Manche mag Jakob Bro an Bill Frisell erinnern, aber in seiner Art, mit wenigen Tönen weite melodisch-harmonische Räume zu öffnen, ist der Däne stets ganz bei sich selbst. Das erkannten auch die Kritiker der Zeitschrift Down Beat, als sie ihn im vergangenen Jahr zum Rising Star der Gitarristen kürten. Schönheit und Melancholie formen in Bros Musik berückende Symbiosen. Sein Trio mit dem einfühlsamen Thomas Morgan (momentan auch Bill Frisells Lieblingsbassist) und dem großartigen Schlagzeuger Joey Baron scheint geradezu telepathisch miteinander zu kommunizieren. Die von ihnen gezeichneten minimalistisch-kargen und doch zugleich weit offenen Klanglandschaften füllt auf kongeniale Weise Palle Mikkelborg. Mit seinem ungemein gesanglichen Spiel sorgt der 1941 geborene Däne, einer der besten Trompeter seiner Generation und gewissermaßen eine europäische Institution, für jene nordisch-elegische Klangmagie, die wir von ECM kennen und lieben.

Jakob Bro | Guitar
Palle Mikkelborg | Trumpet
Thomas Morgan | Bass
Joey Baron | Drums

" The Distance" - Michael Formanek's Ensemble Kolossus feat. hr-Bigband

Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2019 - Tag 1 - Michael Formanek's Ensemble Kolossus

Obwohl der Name ECM meist mit einer kammermusikalischen Klangästhetik verbunden wird, ließ sich das Label nie darauf reduzieren. Manfred Eichers Gespür für gute, für "wahrhaftige" Musik ist unabhängig von stilistischen Schubladen. Oft beobachtet er Musiker über mehrere Jahre, bis er ihnen eine Zusammenarbeit vorschlägt. So auch Michael Formanek, dessen kraftvoll-virtuoses Bass-Spiel bereits auf dutzenden Alben dokumentiert war, bevor er ihn 2010 zu seinem ECM-Debut einlud.

1958 in San Francisco geboren, ging Formanek schon als Teenager mit Tony Williams und Joe Henderson auf Tournee und begleitete später zahlreiche weitere Jazzlegenden von Stan Getz über Freddie Hubbard bis David Liebman. Seit den 90er Jahren bewegt er sich in der kreativ-vorwärtsdenkenden New Yorker Szene, etwa mit Tim Bernes Bloodcount, Uri Caine oder in der Trioformation Thumbscrew mit Mary Halvorson. ECM hatte zwei Alben von Formaneks Quartett veröffentlicht, als der Bassist auf die verrückte Idee kam, Manfred Eicher als dritten Streich ein Bigband-Album anzubieten.

Schräge Sounds und hochmusikalische Ideen

Für einen Unterrichtsjob hatte er sich 15 Jahre lang intensiv mit dem Schreiben für Big Bands auseinandersetzen müssen. "So entwickelte ich eine Leidenschaft dafür, Ideen zu finden, wie ich Bigband-Musik so strukturieren konnte, dass sie sich mehr wie meine Smallband-Musik anfühlte: intimer, persönlicher und spontaner", erzählt Formanek im Interview. Die so entstandene Musik für das Ensemble Kolossus verblüfft in der Tat durch die immer schlüssig wirkende Verzahnung komplexer auskomponierter Passagen und improvisierter Teile. Dafür sorgen im Konzert auch die großartige Gitarristin Mary Halvorson mit ihren schrägen Sounds und hochmusikalischen Ideen, die mexikanische Marimba-Virtuosin Patricia Brennan, der viel gelobte englische Pianist Alexander Hawkins, Michael Formanek selbst und die Solisten der hr-Bigband. Ergänzend zur Deutschlandpremiere des Ensemble Kolossus kommt bei dieser Gelegenheit eine eigens kommissionierte Komposition Michael Formaneks zur Uraufführung.

Mary Halvorson | Guitar
Alexander Hawkins | Piano
Patricia Brennan | Marimbaphon
Michael Formanek | Bass, Composition

hr-Bigband
Jim McNeely | Leitung

“Partir” - Elina Duni solo

Elena Duni

Mit Solo-Aufnahmen hat Manfred Eicher spätestens seit Keith Jarretts "Köln Concert" gute Erfahrungen gesammelt. Schließlich gilt die unter abenteuerlichen Umständen zustande gekommene Platte als meistverkauftes Piano-Soloalbum aller Zeiten und Genres. Elina Duni brachte ihre Solo-CD „Partir“ immerhin den belgischen Klara Award als bestes internationales Album 2018 ein. Die in Albanien geborene und in der Schweiz lebende Künstlerin hatte zuvor zwei Platten ihres Quartetts bei ECM veröffentlicht. Während ihre ausdrucksstarke Stimme dort von Klavier, Bass und Perkussion eingerahmt wird, kann sie in der reduzierten Besetzung ihre Schönheit voll entfalten.

Übergreifende Idee des Aufbruchs

Sparsam und sensibel begleitet von ihrem eigenen Spiel auf Klavier, Gitarre oder Rahmentrommel, verknüpft die Sängerin Lieder aus verschiedenen Kulturkreisen miteinander. Folklore aus Albanien, Armenien, Mazedonien, dem Kosovo und der Schweiz trifft auf Fado, ein jiddisches Lied oder Jacques Brel's „Je ne sais pas“. Zusammengehalten werden die Songs in neun verschiedenen Sprachen von der übergreifenden Idee des Aufbruchs. Sie erzählen von Abschiedsschmerz, Einsamkeit in der Fremde, Heimweh und schließlich dem Ankommen an einem neuen Ort. Elina Duni, die im Alter von 10 Jahren mit ihrer Mutter von Albanien in die Schweiz übersiedelte und und selbst fünf Sprachen spricht, kann hier auf eigene Erfahrungen zurückgreifen.

Obwohl sie mit dem Album auch eine Trennung verarbeitet, ist „Partir“ doch vor allem eine "Verbeugung vor all den Menschen, die ihr Heim verlassen mit keinem anderen Besitz als ihren Erinnerungen und keiner anderen Möglichkeit, als dem Unbekannten zu trauen", wie sie in einem Interview sagte. Mit dem zugleich nachdenklichen und beseelten Solo-Recital Elina Dunis klingt der Eröffnungsabend im intimeren Rahmen des Albert-Mangelsdorff-Foyers aus.

Elina Duni | Vocals, Piano, Guitar

Eine Veranstaltung von hr2-kultur in Kooperation mit der Alten Oper Frankfurt.

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