Farnaz Nasiriamini

Farnaz Nasiriamini steht für engagierte Texte und einen beeindruckenden Lebensweg. In hr2-kultur spricht die Gewinnerin des hr2-Literaturpreises für junge Autor*innen jetzt über die Macht von Worten und erzählt, wie sie ihre Chancen ergriffen hat.

Sie wurde 1994 als Drilling in Teheran geboren, im Alter von sechs Jahren kam Farnaz Nasiriamini nach Deutschland – Butzbach in der Wetterau. Dass sie das Gymnasium besuchen konnte, hat sie der Mutter zu verdanken, die sich gegen die Vorbehalte der Lehrer durchsetzte. Eine richtige Entscheidung, wie sich zeigte: Farnaz Nasiriamini entdeckte früh das Schreiben für sich, wurde Schülersprecherin, bekam ein Stipendium, organisierte Projekte für junge Medienmacher, engagierte sich in Flüchtlings- und Menschenrechtsprojekten und wurde in den Vorstand der Butzbacher SPD gewählt. Heute hat die 24-Jährige einen Bachelor in Politik, Soziologie und Wirtschaft, studiert in Gießen Jura und beschäftigt sich als Autorin und Journalistin immer wieder mit Themen wie Sexismus und Diskriminierung.

"Ich möchte gern was bewegen"

Ihr vielfältiges Engagement hält sie selbst für ganz normal: "Man geht mit geöffneten Augen durch die Straßen und die Gesellschaft. Ich möchte gern was bewegen", sagt sie. Sehr viele Jugendliche wüssten gar nicht, welche tollen Fördermöglichkeiten es gebe, "vor allem Kinder, die nicht aus einem Akademikerhaushalt kommen oder eben einen Migrations- oder Flüchtlingshintergrund haben, wie ich es auch habe", sagt Farnaz Nasiriamini. Sie bemängelt, dass viele Kinder noch nicht einmal die Chance bekommen, Abitur zu machen, weil es ihnen einfach nicht zugetraut wird: "Das zeigt ganz deutlich, dass da noch viel getan werden muss. Intelligenz ist ja nicht nach Schichten verteilt."

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Farnaz Nasiriamini

*1994 in Teheran, ist die Preisträgerin des hr2-Literaturpreises 2019 für junge Autor*innen. Die 24-Jährige lebt in Butzbach, studiert Jura und veröffentlicht als Journalistin u.a. in ihrem Blog www.alphafehler.com

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Farnaz Nasiriamini selbst hat alle Chancen ergriffen, die sich ihr geboten haben. Sie erhielt das Deutsche Schülerstipendium, derzeit ist sie Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung. Auch für ihr literarisches Schreiben ist sie schon oft ausgezeichnet worden: mehrfach war sie Preisträgerin des OVAG-Jugendliteraturpreises und des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. Preise und Stipendien sind für sie "Möglichkeiten, sich irgendwie zu zeigen", sagt Farnaz Nasiriamini, "sonst hat man auch gar keine Chance, sich in bestimmten Kreisen durchzusetzen." An den Wettbewerben schätzt sie außerdem den Austausch mit Gleichgesinnten und das Feedback etablierter Autor*innen: "Schreiben ist ja auch einfach: üben, üben, üben."

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr2-Literaturpreis 2019: Farnaz Nasiriamini: Es ist überall - gelesen von Kristin Hunold

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Im literarischen Schreiben kann Farnaz Nasiriamini all ihre Interessen zusammenbringen, "gesellschaftspolitische Themen gut rüberbringen, noch mal anders, als das nur journalistisch oder akademisch möglich ist." Den hr2-Literaturpreis gewann sie mit der Kurzgeschichte "Es ist überall" über eine Schülerin, deren Ex-Freund gegen ihren Willen ein Sexvideo von ihr veröffentlicht. In einem neuen Text, den sie in hr2-kultur jetzt vorstellt, geht es ihr um die Wertschätzung von Künstlern. Dass sie für Lesungen eingeladen wird, aber kein Honorar erhalten soll, wie die Protagonistin in dem Text "Arme Künstler", hat Farnaz Nasiriamini auch schon selbst erlebt. "Kunst wird immer sehr gern angenommen, aber viele erkennen nicht an, dass das auch Arbeit ist."

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Der hr2-Literaturpreis ist ein Publikumspreis. Ins Rennen gehen dabei jeweils die zehn Hauptpreisträger des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, einem Wettbewerb, der vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Thüringer Staatskanzlei gemeinsam mit dem Hessischen Literaturforum im Mousonturm veranstaltet und von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gefördert wird. Die nominierten Kurzgeschichten und Gedichte werden von hr2-kultur mit Stimmen junger Schauspieler*innen vertont. Vier Wochen lang kann das Publikum dann online abstimmen. Die Gewinnerin oder der Gewinner erhält neben einem Preisgeld von 500 Euro auch die Gelegenheit, neue literarische Arbeiten in hr2-kultur vorzustellen.

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Neue Texte und das ganze Gespräch mit Farnaz Nasiriamini
Sendung: hr2-kultur, Spätlese, 15.10.2019, 22:00 Uhr

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