Wolfdietrich Schnurre

Wolfdietrich Schnurre ist eine der Schlüsselfiguren der frühen deutschen Nachkriegsliteratur. Er verbrachte die ersten Jahre seines Lebens in Frankfurt am Main, zog 1928 mit seinem Vater nach Berlin und wurde einer der Gründungsväter der später legendären "Gruppe 47".

Sechseinhalb Jahre war Schnurre als Soldat im Zweiten Weltkrieg, Jahre, die er als "verschwendete Lebenszeit" bezeichnete. 1945 kehrt er nach Berlin zurück, wo er zunächst im Ostteil lebt. Nachdem ihm durch den sowjetischen Kulturoffizier verboten wurde, in westlichen Zeitschriften zu publizieren, zog er ein Jahr später nach West-Berlin und arbeitete dort als Theater- und Filmkritiker. 1947 lud Hans Werner Richter verschiedene Autoren an den bayerischen Bannwaldsee ein. Hier las man sich gegenseitig Geschichten vor und diskutierte sie offen. Schnurre eröffnete die Lesungen mit der Kurzgeschichte "Das Begräbnis". Schon war die "Gruppe 47" geboren, zu der auch Hans Werner Richter und Alfred Andersch gehörten. Später stießen bekannten Schriftsteller*innen wie z.B. Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Günter Grass oder Siegfried Lenz dazu.

Schnurres Erzählstil orientiert sich am Stil der anglo-amerikanischen "short story", er schrieb aber auch Novellen, Erzählungen und Gedichte, in denen er sein Kriegs- und Nachkriegserleben dokumentiert. 1960 werden sie unter dem Titel "Man sollte dagegen sein" als Sammlung publiziert. Diese in den ersten Nachkriegsjahren geschriebenen Kurzgeschichten haben Wolfdietrich Schnurres Ruhm begründet. Besonders beliebt waren seine Vater und Sohn Geschichten in "Als Vaters Bart noch rot war", die in den späten 1950er und 1960er Jahren in vielen Bücherregalen und auf so manchem Lehrplan standen. Doch Schnurre auf die kurzen, unterhaltsamen Geschichten zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht.

Er war ein durch und durch politischer Künstler, prangerte Missstände an und engagierte sich in Protestenbewegungen, etwa der gegen den Bau der Berliner Mauer und die Wiederaufrüstung.

Sein Werk umfasst mehr als fünfzig Bücher, zwanzig Hörspiele und ebenso viele Fernsehspiele. Mit seinem Buch „Der Schattenfotograf“  wurde war er auch über die deutschen Grenzen hinaus erfolgreich und sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter 1983 dem Georg-Büchner-Preis, geehrt. Dennoch ist Wolfdietrich Schnurre ein Autor der Nachkriegszeit, der heute fast Vergessheit geraten ist.

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Sendungen in hr2-kultur

Am Tag seines Geburtstags senden wir in hr2-kultur um 9:30 Uhr die Erzählung "Das Manöver" sowie am 23. August auf unserem Hörspielplatz um 14:04 Uhr "Im Gehäuse" und "Der Verräter".

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